Ein Ruf aus der Stille.
Rückbesinnung und Auflehnung.
Von Brigitte Bardot
Gebundene
Ausgabe: 224 Seiten
Verlag:
Langen Müller; Auflage: 1. Auflage (2004)
Größe
und/oder Gewicht: 21,4 x 15 x 2,8 cm
Hardcover
mit Schutzumschlag, Zustand 1-2
Kurzbeschreibung
Der Bestseller aus
Frankreich
Brigitte
Bardot - internationales Idol, lebende Legende, Weltstar - kritisiert offen und
schonungslos unsere materialistische Gesellschaft, in der Gleichgültigkeit und
der Verfall der Werte die zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmen. Sie
verbindet dies mit ihren Erinnerungen an die Zeit, in der ihr bewußt wurde, daß
Erfolg im Leben nicht alles sein kann.
Mit 28 Fotos
Zitat: „Brigitte Bardot
Scheltworte
der Schönsten
Brigitte
Bardot rechnet mit der Gegenwart ab. Wohin sie auch schaut, sie sieht das Chaos
ausbrechen: streikende Staatsdiener, aggressive Muslime, Jugendbanden,
demonstrierende Homosexuelle.
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Brigitte
Bardot: Scheltworte der Schönsten
23.
März 2004
Pfuscht
ruhig weiter der Natur ins Handwerk, ruft sie in ihrem Zorn aus. Es gibt keinen
Konservativismus, der sich nicht auf die heilenden Kräfte der Natur beziehen
würde - wie es keine Linke gibt, die nicht versuchen würde, den größtmöglichen
Abstand von der Natur zu gewinnen. Aber ist sie, die einst in dem Film
"Viva Maria" mit Jeanne Moreau zur fröhlichen Revolutionsikone der
Achtundsechziger wurde, denn konservativ? Ja, und dies in einem spezifischen
Sinn. Für Brigitte Bardot ist die Natur, von der her ihre Plaudereien
argumentieren, zunächst die eigene, die einer schönen Frau. Sogleich hat sie
damit den Gegner gefunden: die Uni- oder vielmehr Homosexualisierung der
Gesellschaft, die Verweichlichung der Männer, die künstliche Befruchtung, die
Schönheitschirurgie - und die Pornokratie der Gegenwart.
Manchmal
erschrickt sie vor dem eigenen Spiegelbild. Als sie 1963 in Godards Film
"Die Verachtung" ihrem Partner Michel Piccoli die Worte
"Hurensohn, Arschloch, Schwein, verdammte Scheiße"
entgegenschleuderte, ahnte sie nicht, daß dieser Ton eines Tages zur Normalität
des Fernsehens werden würde: "Selbst der harmloseste Krimi zwingt uns
heute, eine Viertelstunde lang Praktiken des Kamasutra über uns ergehen zu
lassen, auf die wir gerne verzichten würden." Brigitte Bardot ist nicht
die einzige, die die ungehemmte Sexualisierung beklagt. Mancher oder manche,
die einmal an Rebellion dachten, müssen nun erleben, daß etwas anderes
herausgekommen ist: die Anomie.
Und
das Chaos sieht Brigitte Bardot ausbrechen, wo sie auch hinschaut: streikende
Staatsdiener, aggressive Muslime, Jugendbanden, demonstrierende Homosexuelle.
In der Schule verfällt die Disziplin, leistungsschwache Schüler, so entnehmen
wir ihrem Buch, werden im Bürokratesischen als "Lernende mit
unterschiedlichem Erfolg" bezeichnet. Von der herrschenden Klasse ist sie
enttäuscht; die Politiker, so glaubt sie, hätten "Bammel" vor den
verheerenden Überlieferungen der Achtundsechziger. Sie wünscht sich einen
Bildungsminister, der "endlich mit der Faust auf den Tisch schlüge".
Man erkennt die Sprache des Populismus - und man erträgt den Rundumschlag über
weite Strecken, weil er mit der niemals zu ruinierenden, charmanten,
geistvollen Frechheit des französischen Chansons vorgetragen wird.
Die
andere Natur, in deren Namen Brigitte Bardot spricht, ist die der Tiere. Unter
Frankreichs Muslimen hat sie sich mit ihrem Kampf gegen deren Schlachtfeste
keine Freunde gemacht. Erschreckendes teilt sie über die Pelzverarbeitung mit.
In eher meditativen Kapiteln, die durch Kursivierung vom polemischen Text
abgesetzt sind, läßt sie ihr eigenes Leben im Kreis ihrer Tiere Revue passieren
- nicht nach Art der Naturapostel und Waldschrate, sondern mit einem Glas
Champagner und einer Zigarette dazwischen.
Sehnsüchtig
beschwört sie die Zeit ihrer Jugend: "Die Glocken läuteten zur
Sonntagsmesse. Die Landpfarrer hielten ihren Schäfchen flammende Reden von der
Kanzel herunter. Die Messe wurde auf Latein gelesen, dem Kruzifixus zugewandt,
mit dem Rücken zur Gemeinde, und ohne Mikrophon. Das Leben war schön, das im
Aufbau befindliche Frankreich war authentisch, patriotisch und
chauvinistisch." Wer etwas über die Wählerschicht erfahren will, die vor
zwei Jahren mit fast achtzehn Prozent für Le Pens "Front National"
stimmte, wird in diesem Buch wertvolle Aufschlüsse finden.
Brigitte
Bardot: "Ein Ruf aus der Stille". Rückbesinnung und Auflehnung. Aus
dem Französischen von Antoinette Gittinger. Verlag Langen Müller, München 2004.
224 S., „
Quelle:
„Text: Frankfurter
Allgemeine Zeitung, 24.03.2004, Nr. 71 / Seite L20“
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