|
Die Deganawidha Legende. Eine
indianische Überlieferung.
Grüner Zweig Nr.
81. 2. Auflage 1982. Heft mit 67 Seiten, DIN A 6, mit mehreren Zeichnungen auf
jeder Seite.
Erstmals verlegt 1973 von der Arbeitsgemeinschaft
Nordamerikanischer Indianer.
Hintergrund:
Die hier wiedergegebene DEGANAWIDHA- LEGENDE wurde
1948 von der sogenannten Akwesasne Mohwk Conselor Organisation, einer
indianischen Pfadfindergruppe unter Anleitung ihres Lehrers Ray Fadden oder Aren
Akweks niedergeschrieben.
Ray Fadden bemühte sich darum, seine Schüler
indianische Überlieferungen kennenlernen zu lassen, die damals in den Schulen
überhaupt nicht gelehrt wurden. Sicher hat sein Einfluss wesentlich zu der
heutigen Entwicklung in Akwesasne beigetragen. Allerdings würde die Deganawidha-
Legende heute von einer Generation junger Menschen, die inzwischen ein tieferes
Verständnis für die Tradition entwickelt haben (eben Dank solcher Aktionen, wie
sie Fadden durchführte), anders wiedergegeben werden.
Zum
Heft:
Die vorliegende Fassung enthält wahrscheinlich viele
vom Christentum geprägte Auffassungen, wie etwa den Gottesbegriff. Die
Deganawidha- Legende wurde mündlich überliefert und so entsprechen ihre
verschiedenen Fassungen dem jeweiligen Zeitverständnis. Die an sich richtige
Fassung gibt es nicht. Und eine neuere Fassung zu schreiben, ist Auftrag dieser
Generation. Die Legende ist dem Stamm der Irokesen zuzuordnen und berichtet vom
Lebensweg Deganawidhas, der laut der Prophezeiung Frieden und guten Willen unter
den Völkern verbreiten und dessen Lehren einmal die Welt beeinflussen sollen.
Sein Weg des Friedens strebt eine Konföderation aller Völker an, die dem Krieg
auf immer abschwören sollen. Bevor die „weißen Eindringlinge über das große
Salzwasser aus dem Osten“ die Idee des Friedens erneut vernichteten, soll der
Legende nach bereits eine „Große Konföderation der fünf Nationen“ gebildet
worden sein.
Historischer
Hintergrund:
Aus den 5 Nationen wurden später 6 Nationen, die „Six
Nations“, auch Haudenosaunee genannt. Es handelt sich hierbei um einen föderalen
Zusammenschluß verschiedener indigener Stämme und Nationen, deren politische
Konstellation als direkte Demokratie bezeichnet werden kann. Sie beruht auf dem
Konsensprinzip (der Zustimmung aller)- ganz im Gegensatz zu den westlichen
„Demokratien“, die auf Parteien- und Mehrheitsmacht beruhen. Ein komplexes
System von politisch- spirituellen Ritualen und Beratungszeremonien soll
Unfrieden und Krieg verhindern und allen Mitgliedern politische Gleichheit
garantieren. Die wichtigste Zeremonie ist auch heute noch die Verlesung des
„Great Law of Peace“, das durch die legendenhafte Gestalt Deganawidhas erstmals
formuliert wurde.
Noch heute verstehen die Haudenosaunee sich als
eigenständigen politischen Körper und nicht etwa als Minderheit innerhalb des
us- amerikanischen Systems.
********************* |