STREUNENDE KATZEN EMPFÄNGT MAN NICHT von Jon Godden:
Freilich, ihr Haus war eigentlich zu groß für eine Frau allein, und es lag auch ein gutes Stück außerhalb des Dorfes, aber Margaret Starr hatte sich noch nie gefürchtet wovor denn auch inmitten des ländlichen Friedens hier in Südengland, wo die Zeit stillzustehen schien und Gewalt und Schrecken allenfalls in bösen Träumen existierten?
Doch an jenem Maiabend, als Mrs. Starr aus London in ihr leeres Haus zurückkehrte, konnte irgend etwas nicht stimmen: woher kamen zum Beispiel die Stummel im Aschenbecher und die Schaumränder in der Badewanne? Und bildete sie sich die sonderbaren Geräusche auf dem Dachboden nur ein?
Vielleicht hätte sie wirklich auf Schlimmes gefaßt sein müssen, als sie entdeckte, daß sie ihr Haus mit einem Eindringling teilte. Aber Mrs. Starr sah in der streunenden Katze Chris nichts als ein verirrtes junges Mädchen, dem die Liebe gefehlt hatte, und sie wäre in ihrer Freundlichkeit und Güte nie auf den Gedanken gekommen, der pensionierte Major könne mit seinen Warnungen so unrecht nicht haben bis sie eines Tages eine zweite Entdeckung machte. Und schlagartig wurde aus ihrem behaglichen und geordneten Leben ein quälender Alptraum, in dem sie unentrinnbar gefangen schien.
DIE PATIENTEN von Jürgen Thorwald:
Als Pioniere der Medizin hat die breite Öffentlichkeit lange Zeit nur die berühmten Ärzte angesehen, die spektakuläre Operationen und Behandlungsmethoden als erste erprobten. Das wurde schlagartig anders, als 1968 ein Mann aus Kapstadt ins Scheinwerferlicht rückte Philip Blaiberg, Barnards zweiter Transpiantationspatient, um dessen Überleben mit dem neuen Herzen die ganze Welt bangte. An seinem Schicksal begriffen Millionen Menschen, da]? medizinischer Fortschritt auch von den mutigen Patienten abhängt, die den Ärzten den ersten Schritt ins Neu land ermöglichen.
Jürgen Thorwalds Buch ist solchen Patienten gewidmet. Sie alle haben Medizingeschichte gemacht. Die kleine Eileen Saxon und ihre zum Kampf um das Leben ihres Kindes entschlossenen Eltern sind nicht wegzudenken aus der Geschichte der so genannten Blue-Baby -Operation. Heute verheißt sie Kindern mit angeborenen Herzfehlern ein normales Leben. Die todkranke Sofia Schafstadt, eine politische Gefangene aus einem holländischen Internierungslager, hat durch ihr Überleben den entscheidenden Anstoß gegeben zur Weiterentwicklung der künstlichen Niere, die heute Kranken in aller Welt zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Edith Helm und Georges Simkn und deren Zwillingsgeschwister gehören zur Ge schichte der ebenfalls Routine gewordenen Nierentranspiantation wie die Ärzte, die sie operierten. Der taubstumme Hausierer Boyd Rush aus Mississippi und der Buchhalter Everett Thomas aus Arizona sind wie Barnards prominente Patienten Washkansky und Blaiberg Glieder in der Entwicklung der Herztransplantation, die trotz aller Rückschläge weiter geht. Und es ist dem Mut und der seelischen Kraft der kleinen Mexikanerin Esperanza del Valle Vasquez zu verdanken, wenn sich die Hoffnung vieler Chirurgen auf die Verwendbarkeit künstlicher Organe richtet.
Schmerz und Verzweiflung, Hoffnung und Triumph der Patienten in Thorwalds Buch weisen so über das persönliche Schicksal hinaus auf die Medizin von heute und morgen, die unser aller Leben bestimmt.
DIE WALZERKÖNIGE von Hans Fantel:
Fast ein Jahrhundert Familiengeschichte, Musikgeschichte und Wiener Geschichten macht Hans Fantels Biographie der beiden Walzerkönige lebendig. Mit dem Schwung des Dreivierteltaktes, der den leicht skandalumwitterten Walzer von den Tanzböden der Dorf schenken in die Ballsäle der eleganten Welt trug, spielte sich ein junger Bratlgeiger aus der Leopoldstadt in die Herzen der Wiener: Johann Strauß Vater war als Walzer- komponist und Dirigent ein ungekrönter, aber unangefochtener Monarch im Reich der Sphärenklänge, bis ihn der Ruhm seines ältesten Sohnes überflügeln sollte. Vom idyllischen Biedermeier bis zur leisen Schwermut der Jahrhundertwende, in den Un ruhen der Revolution von 1848 und über die sozialen Spannungen hinweg, die der Anbruch des industriellen Zeitalters mit sich brachte, blieben der Zauber des Walzers wie die Ausstrahlung der Regenten mit dem Geigenbogen ungebrochen, und noch heute gilt der Walzer in aller Welt als Wiens musikalische Visitenkarte.
Doch Hans Fantels Buch beschwört nicht nur den Glanz einer walzerseligen Zeit und das Schaflensglück der Musikerdynastie Strauß, es läßt den Leser auch hinter die Kulisse der musikalischen Triumphe schauen und enthüllt das von Tragik über schattete Geschick einer Familie, in der sich nicht nur die künstlerische Begabung, sondern auch die Unfähigkeit zum privaten Glück zu vererben schien.Kein Leser wird sich dem Reiz dieser einfühlsam erzählten Schicksale entziehen können, denen eine berauschende Fülle unvergänglicher Melodien entsprang.
RETTUNGSBOOT ZWEI von Margaret Culkin Banning:
Ich habe den Stoff meines Romans tatsächlich auf hoher See gefunden, sagt unsere Autorin. In meinem langen Leben habe ich unzählige Reisen in alle Teile der Welt gemacht und dabei, glaube ich, so gut wie jede Möglichkeit kennengelernt, von einem Ort zum andern zu kommen. Aber eine Seereise, vor allem eine Vergnügungsfahrt rund um den Erdball, läßt sich in meinen Augen mit nichts vergleichen. Keine andere Reiseart bringt einen ja mit so vielen ungleichen Menschen in solang dauernden engen Kontakt und kaum befand ich mich das erstemal an Bord eines Luxusdampfers, als mich auch schon die Frage reizte: Warum machen alle diese Leute eine solche Reise mit? Was versprechen sie sich eigentlich davon? Und werden sie auch finden, was sie suchen? Dies war, so spürte ich, das Thema für ein neues Buch, und was ich auf mehreren derartigen Seefahrten dann heraus fand und erlebte, habe ich hier in einem einzigen Handlungsrahmen verwoben.
Rettungsboot zwei ist die Geschichte einer Handvoll unvergeßlicher Menschen. Die verschiedensten Beweggründe und Erwartungen haben sie an Bord der Seven Seas zusammengeführt. Jetzt scheinen vierundachtzig Tage eines gemeinsamen, neuen Lebens vor ihnen zu liegen. Doch keiner kann die Vergangenheit, aus der er kommt, einfach hinter sich lassen und auch die Zukunft, der sie entgegenfahren, hat viele Gesichter.
Dem faszinierten Leser aber widerfährt, was ihm nur in wenigen Romanen geschieht: im Spiegelbild fremder Schicksale entdeckt er die eigenen Sehnsüchte, Ängste und Hoffnungen findet er unversehens Antworten auf Fragen seines eigenen Lebens.
Verlag: Das Beste *
Jahr: 1973 *
Einband: Hardcover *
Ort: Stuttgart *
Seitenzahl: 510
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