ALLER MENSCHEN EBENBILD von William E. Barrett:
Auf den ersten Blick war es ein Meisterwerk der Malerei mit einer Ausstrahlung, die jeden Betrachter in die Rolle eines Augenzeugen versetzte: eine hervorragende Darstellung Christi, der nach dem Urteilsspruch des Pilatus hinausgeführt wird, sein Kreuz aufzunehmen. Kirk Donner, ein junger Künstler, und die anderen geladenen Gäste des Galerie- besitzers waren tief ergriffen. Doch dann kam der Schock:
der Schock, die eigenen Züge von Haß verzerrt, aber un verkennbar unter dem wütenden Pöbel zu entdecken, der mit erhobenen Fäusten schrie: Kreuzige ihn!«
War es Zauberei, Hypnotismus, Sinnestäuschung? Oder sprach Gott aus diesem alten Bild zu den Menschen? Eine Antwort auf diesen übernatürlichen Vorgang schien unmöglich. Doch Kirk Donner ging den spärlichen Spuren nach, die Bonifatius Rohlmann, der unbekannte Maler aus dem siebzehnten Jahrhundert, hinterlassen hatte. In seinem Geburtsort, der süddeutschen Kleinstadt Friedheim, war die Vergangenheit noch unheimlich lebendig: wie alle zehn Jahre seit den Tagen des «Schwarzen Todes« führten die Einwohner wieder ihr Passionsspiel auf. Und hier fand Donner den Anfang des Wegs, der über die Zeiten her in seinen, in unser aller Alltag führte und ihn erst fähig machte, den geliebten Menschen so zu sehen, wie er war, und ihm gerade dadurch ganz nahezukommen.
DIE STEPPENREITER von Joseph Kessel:
Inmitten der wildzerklüfteten Gebirge und ungeheuren Steppen Afghanistans leben Nomadenvölker und Reiterstämme noch wie vor tausend Jahren, kreisen ihre Träume und Leidenschaften noch immer um das all jährliche Buskatschi, jenes wilde Reiterspiel, das Dschingis-Khan erfunden
haben soll.
Um das Wunderpferd Jehol entbrennt die Haßhiebe zwischen einem Vater, der bereits zur Legende geworden ist, und einem Sohn, der über ihn und sich hinauswachsen muß, will er die Niederlage im Spiel der Spiele zu seinem größten
Triumph machen.
In glühenden Farben und scharfen Konturen entrollt sich das zeitlose Epos vom Menschen auf der Suche nach dem Glück. Unvergeßlich wie Tursehn und Uros, die Stolzen und Starken, sind Mokki und Sereh, der arglose Diener und seine Geliebte, die beide der Verführbarkeit ihrer Herzen anheimfallen, oder der uralte Geschichtenerzähler, den sein Volk
den Ahnherrn der Welt nennt und der nicht sterben kann, ehe die Saat seiner Weisheit aufgegangen ist Gestalten und Schicksale wie aus Tausendundeiner Nacht.
Über diesen großen Wurf eines großen Erzählers hat ein Kritiker geurteilt: Ein solches Buch zieht nur alle paar Jahre meteorgleich über den literarischen Himmel. Aber vor dem inneren Auge des Lesers strahlt es weiter.
HALIC,DER DRAUFGÄNGER von Ewan Clarson:
Als vierzehn Kilo schweres, neugeborenes Robbenbaby lernen wir Halic kennen; noch ist er nicht viel mehr als ein weißes Fellknäuel, kaum unterscheidbar von den hellen Steinen seiner Geburtsinsel. Doch mit Halic ist die allen Robben eigene, so bezaubernde Freude an übermütigen Spielen im Meer geboren und der Urinstinkt zur gefahrvollen wie vergnüglichen Wanderschaft von Küste zu Küste. Fast ein ganzes Robbenleben lang läßt Ewan Clarkson den Leser teilhaben an Halics fröhlicher Unbeschwertheit wie an seiner Wendigkeit und seinem Mut, wenn es lebensgefährliche Situationen zu meistern gilt. Halic ist ein Stück lebendige, liebenswerte Natur, eingebettet in das ewige Wechselspiel der Gezeiten.
Aber auf Halics abenteuerlichem Lebensweg lauern nicht nur seine natürlichen Feinde, die größeren und stärkeren Meeresbewohner wie Haie und Schwertwale grausamer und gefährlicher als sie alle sind menschliche Berechnung und Gedankenlosigkeit. So ist Ewan Clarksons Buch auch ein leidenschaftlicher Appell an uns alle, die Schönheit und Lebenskraft der Natur nicht zu zerstören, von deren Gleich gewicht nicht nur das Überleben der vielfältigen Meeresfauna, sondern letztlich die Zukunft aller Lebewesen abhängt.
EIN FALKE FÜR DIE KÖNIGIN von Catherine Gaskin:
Als Kirsty Howard unangemeldet aus China auf dem Stamm Sitz ihrer Familie im schottischen Hochland ankam, hatte sie keinen überschwenglichen Empfang erwartet. Aber sie war doch nicht darauf gefaßt gewesen, von ihrem Großvater, dem stolzen Whiskybrenner Angus Macdonald, so schroff behandelt zu werden und schon gar nicht konnte sie sich die offene Feindseligkeit seiner herrischen Haushälterin erklären.
Oder hatte beides damit zu tun, daß Kirsty hier das Rätsel vom plötzlichen Tod ihres Bruders William lösen wollte? Kirsty jedenfalls war fest entschlossen, um ihre Anerkennung in dem einzigen Heim zu kämpfen, das sie jetzt noch hatte. Doch schien fast jeder, dem sie in Cluain begegnete, von einem Geheimnis umgeben zu sein, das so undurchdringlich war wie der schottische Nebel. Was hatte der höfliche und kluge Sir Gavin Campbell gegen seine strahlend schöne Frau? Und was verbarg sich hinter der Verschlossenheit des jungen Callum Sinclair, der am liebsten mit seinem Falken die Täler und Höhen durchstreifte?
Wieder ist es Catherine Gaskin, der Meisterin romantischer Spannung, gelungen, aus ihren erzählerischen Fäden ein so dichtes Netz zu knüpfen, daß sie den Leser bis zur letzten Zeile gefangenhält.
Verlag: Das Beste *
Jahr: 1973 *
Einband: Hardcover *
Ort: Stuttgart *
Seitenzahl: 510
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