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Fachbuch: Wiesenthalhütte. Design in Glas 1957–1989
Autoren: Annemarie Rath, Helmut Ricke, Xenia Riemann
Buch MIT CD-ROM !!
Für ihr wegweisendes, kompromissloses Designkonzept wurde die Glasmanufaktur Wiesenthalhütte berühmt. Erstmals werden Geschichte und Produktion vollständig dokumentiert – ein wesentlicher Beitrag zur deutschen Designgeschichte der Nachkriegszeit.
Das Design der Trinkglassätze und Wohnaccessoires der Wiesenthalhütte gründete auf den Ideen des Deutschen Werkbunds und des Bauhauses. Die Gestaltung sollte »zeitecht« sein, ihre Wirkung entstand unter weitgehendem Verzicht auf Dekor einzig durch Form und Farbe.
Der Katalog mit über 1700 vorzüglichen, zeitgenössischen Abbildungen zeigt einen Querschnitt der Produktion der Hütte, der Schwerpunkt liegt zwischen 1957 und der Mitte der 1970er Jahre. Ergänzend dazu werden die Produktionskataloge von 1958 bis 1989 vollständig dokumentiert. Alle Modelle von 1957 bis 1975 sind im Anhang des Buches wiedergegeben und die Kataloge ab 1976 vollständig auf der dem Buch beigegebenen CD-ROM reproduziert mit Produktbeschreibungen, Findelisten und Material zum Thema Industrieglas.
Die im nordböhmischen Wiesenthal gegründete Hütte gleichen Namens fand nach dem 2. Weltkrieg in Schwäbisch Gmünd eine neue Heimat. Zunächst unter der Leitung von Ludwig Breit, seit den 1960er Jahren dann unter der seines Sohnes Klaus Breit, entwickelte sich der Betrieb zu einer der führenden Hütten Westdeutschlands mit ausgeprägtem eigenen Designprofil. Verantwortlich für die Linie des Unternehmens und für die meisten der realisierten Entwürfe war Klaus Breit, der profunde Kenntnisse als Chemiker und Glastechniker mit einem ausgeprägten künstlerischen Talent verband.
Kurz vor seinem Tod im Jahr 2004 vermachte Breit dem Glasmuseum Hentrich seine private Mustersammlung mit allen wichtigen Modellen der Wiesenthalhütte aus den Jahren zwischen 1957 und 1989, ergänzt durch das Hüttenarchiv und alle Produktionskataloge der Hütte.
Es handelt sich bei dem Buch um ein "Fast-Werkverzeichnis", da hier sehr viele Formen abgebildet sind, nicht nur die Standardware, sondern und vor allem wird hier ein wichtiger Augenmerk auf die Besonderheiten und Muster gelegt. Nicht nur für Sammler deutschen Glases, auch für Designinteressierte ein absolutes Muss.
Vorwort von Helmut Ricke:
Die handwerkliche Fertigung von hochwertigem Gebrauchsglas in großen Manufakturen ist heute weitgehend Geschichte. Der Ablauf dieser Geschichte und die Designentwicklung der deutschen Glashütten nach dem Zweiten Weltkrieg generell ist jedoch noch weitgehend unbeschrieben - und es wird zunehmend schwieriger, diese Lücke zu füllen.
Nahezu alle ehemals führenden Manufakturen mussten in den 1970er und 80er Jahren als Folge der Umstellungen auf maschinelle Produktion und die Konkurrenz aus Billiglohnländern den Betrieb einstellen. Doch haben die meisten dieser Firmen einen erkennbar eigenständigen Beitrag zur deutschen Glaskultur der Nachkriegszeit geleistet, der unser Interesse verdient und nähere Untersuchungen rechtfertigt. Besonders konsequent und kompromisslos - zumindest gilt dies für die entscheidenden Jahre zwischen 1957 und 1975 - hat das Modellprogramm der Wiesenthalhütte in Schwäbisch Gmünd das Erscheinungsbild der Glasgestaltung dieser Jahre geprägt.
Es ist bedauerlich, dass bei der Auflösung der großen, renommierten Betriebe von den Verantwortlichen, aber auch von Museen und Institutionen versäumt wurde, die Archive der Firmen zu sichern und ihre Arbeit während der produktiven und designorientierten 1950er und 60er Jahre zu dokumentieren. Nur mit Mühe gelingt es heute, gedrucktes Quellenmaterial in Form von Produktionskatalogen oder Prospekten aufzufinden; vieles ging unwiederbringlich verloren.
Umso wichtiger sind die Ausnahmen, die nun die Chance bieten, stellvertretend für die in ihrer Arbeit weniger gut belegten Manufakturen die Entwicklungen anschaulich zu machen und die sich stellenden Fragen zu klären. Die Wiesenthalhütte bildet eine solche, geradezu mustergültige Ausnahme. Getragen vom Geschichtsbewusstsein ihres ehemaligen Besitzers, Dr. Klaus Breit, wurde hier ein Archiv angelegt, das die gesamte Hohl- und Zierglasproduktion der Hütte von deren Beginn 1957 bis zur Betriebseinstellung 1991 dokumentiert. Alle Kataloge der Hütte sind erhalten. Zusätzlich ein großer Teil des Schriftverkehrs und der Unterlagen der Geschäftsleitung, eine Pressedokumentation und ein umfangreicher Bestand an Fotografien. Ergänzt wird das Archiv durch die private Mustersammlung Klaus Breits - nahezu 500 Gläser, die er selbst für besonders gelungen und für die Formentwicklung seiner Manufaktur kennzeichnend hielt.
Über seine Kontakte zum Fachausschuss V für Glasgeschichte und Glasgestaltung der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft war Klaus Breit bekannt, dass man in Düsseldorf intensiv bemüht war, innerhalb des dortigen Glasmuseums eine Design-Sammlung aufzubauen und diese durch erreichbare gedruckte Quellen zu ergänzen. Eine erste Ausstellung der jungen Sammlung 2003 im Grünen Gewölbe der Düsseldorfer Tonhalle überzeugte Klaus Breit von der Ernsthaftigkeit dieser Bemühungen, und es erfolgte eine Einladung nach Schwäbisch Gmünd zur Sichtung von Archiv und Sammlung. Wenig später hat Klaus Breit dem Glasmuseum Hentrich im Düsseldorfer museum kunst palast beides als Schenkung zugewiesen; die Bestände wurden auf seinen Wunsch sofort nach Düsseldorf übertragen.
Wir verabredeten seinerzeit eine Einzelausstellung, begleitet von einem ausführlichen Katalog. Da Klaus Breit wenige Wochen nach Vollzug der Schenkung starb, hat er diese Ausstellung zu unserem großen Bedauern nicht mehr erleben können. Umso mehr fühlten wir uns in der Verpflichtung, die durch das Archiv gebotenen Chancen für eine Publikation zu nutzen, die den Anspruch einer gültigen Monographie zur Designproduktion der Wiesenthalhütte zu erfüllen vermag. Für den Tafelteil konnten - ergänzt durch neu angefertigte Farbaufnahmen - die im Archiv verwahrten vorzüglichen Originalfotos der Hütte genutzt werden. Die Dokumentation aller Modelle im Nachdruck oder auf CD-ROM macht die gesamte Breite der Produktion und ihre Entwicklung über dreißig Jahre hinweg anschaulich. Es wird so auch die Lebensleistung Klaus Breits genauer fassbar, der als Entwerfer der meisten in der Wiesenthalhütte produzierten Modelle das Erscheinungsbild der Gläser seiner Hütte maßgeblich prägte. Auch kann erstmals der Anteil der übrigen für die Manufaktur tätigen Designer deutlicher umrissen werden.
Die Publikation versteht sich im übrigen als Ergänzung zu dem 1999 von Klaus Breit selbst herausgegebenen Buch »Die Wiesenthaler Glashütte. Erinnerungen. Aufzeichnungen. Betrachtungen«, das die Geschichte der Hütte seit ihrer Gründung 1868 ausführlich beschreibt und nach wie vor als Quelle und persönliches Bekenntnis seines Autors unverzichtbar bleibt.
Die aufwändige Form und Ausstattung der vorliegenden Publikation ist der langjährigen Mitarbeiterin, Lebensgefährtin und schließlich Ehefrau Klaus Breits, Frau Ingrid Brock, zu verdanken, die einen größeren Betrag aus dem ihr zugefallenen Erbe Breits für die Herausgabe zur Verfügung gestellt und die weitere Arbeit des Glasmuseums Hentrich im Designbereich testamentarisch abgesichert hat. Auch Ingrid Breit-Brock ist zu unserem großen Bedauern inzwischen verstorben.
Dem Andenken von Klaus Breit und Ingrid Breit-Brock widmen wir dieses Buch.
Dank
Die Sichtung der umfangreichen Archivmaterialien und die Auswertung der zahlreichen Produktionskataloge erforderte intensive Hilfe. Annemarie Rath, als Design-Sammlerin seit vielen Jahren am Aufbau des Bestandes in Düsseldorf beteiligt, war hier intensiv eingebunden. Sie hat die Gläser der Sammlung Breit anhand der Kataloge genau zeitlich eingeordnet und sich in ihren Texten für dieses Buch ausführlich der Geschichte der Wiesenthalhütte und den verschiedenen Produktionszweigen des Unternehmens gewidmet.
Meine Kollegin Xenia Riemann hat es verstanden, die Belastungen durch ihre anstehende Promotion problemlos mit den sehr zeitraubenden Arbeiten für eine sinnvolle Reproduktion aller Modelle der Manufaktur zu verbinden. Hierfür mussten alle Kataloge genau ausgewertet werden, um die jeweils neuen Modelle jeden Jahrgangs auszufiltern, da es galt, sinnlose Doppelabbildungen zu vermeiden. Auch war es nur so möglich, über den Zeitraum, in dem die einzelnen Modelle durch die Hütte angeboten wurden, die Langlebigkeit bestimmter Entwürfe und den jeweiligen Verkaufserfolg der Gläser zu bestimmen. Die von ihr verfassten Kurzbeischriften zu den einzelnen Abbildungen ergänzte sie durch die ausführlichere Gesamtliste mit Kommentaren zu den Modellen, die sich auf der CD-ROM zum Buch befinden. Xenia Riemann ist auch die Zusammenstellung der Lebensläufe der für die Wiesenthalhütte tätigen Designer und Künstler zu verdanken. Erstmals ist es nun möglich, den vor allem für die Produktion der späten 1970er und der 80er Jahre wichtigen Anteil weiterer, neben Klaus Breit tätiger Entwerfer genauer zu erfassen.
Ehemalige Mitarbeiter der Wiesenthalhütte haben gern und mit großem Einsatz geholfen, uns die inneren Abläufen im Designbereich verständlich zu machen und vielfältige Fragen zu beantworten. Dies gilt besonders für Hortense Habermann, in den 1970er Jahren Designassistentin mit eigener Verantwortung, die ebenso bei der Herstellung von Kontakten und der Bereitstellung von Informationen hilfreich war wie Gertrud Schmidt, langjährige Mitarbeiterin Klaus Breits und zuständig unter anderem für die Vorbereitung der Messen. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass die Mitarbeiter die Zeit bei der Wiesenthalhütte als großen Positivposten in ihrem Berufsleben in Erinnerung haben. Jörg Langkop gab Einblick in die Designarbeit der 1980er Jahre, an der er persönlichen Anteil hatte, und Dieter Stang trug Erfahrungen aus seiner Tätigkeit als Designer bei Schott Zwiesel mit gelegentlicher Hilfe in Schwäbisch Gmünd bei. Frau Braun-Ditzen, tätig im Design-Atelier der Zwiesel Kristallglas AG, versorgte uns bereitwillig mit Quellenmaterial aus der Zeit der Produktionsüberführung der Wiesenthalhütte zu Schott Zwiesel.
Im museum kunst palast waren Margret Pasch und Lothar Milatz in viele Arbeiten eingebunden, und Anne-Marie Katins engagierte sich für Redaktions- und Korrekturarbeiten. Ohne den geduldigen und wohlorganisierten Einsatz von Kai Reschke, Petra Kruse und ihren Mitarbeitern schließlich wäre dieses Buch nur unter weit größeren Geburtswehen zustande gekommen.
Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank.
Über Klaus A. Breit, *1926 in Alt-Harzdorf, † 2004:
Klaus A. Breit stammt aus einer Familie mit langer Tradition in der Glasproduktion: seit 1899 besaß die Familie die Breitschen Glashütten in Wiesenthal.
Neben der Schule Interessenhinwendung zu Astronomie und Physik, erste naturwissenschaftliche Ausarbeitungen. Nach Kriegsabitur Durchlaufen aller Stationen damaliger Zeit: Flakdienst, Arbeitsdienst und Kriegsdienst an West- und Ostfront. Nach Kriegsgefangenschaft Studium der Astronomie und Chemie in Heidelberg. Nach Promotion und Assistententätigkeit an der Universität 1953 erste praktische Tätigkeit in der neuerrichteten Breit'schen Glashütte in Schwäbisch Gmünd/Württemberg. Anschließend wissenschaftliche Arbeit im Glastechnischen Forschungslaboratorium der General Electric Company in Cleveland/Ohio, USA. Schließlich Rückkehr nach Deutschland und Eintritt in die Geschäftsführung der von Ludwig Breit wiedererrichteten Glashütte. Die Verbindung von Technik, Kunst und Ästhetik, eingebunden in eine soziale Verantwortung, war dann, mehr als dreißig Jahre, das Umfeld von Klaus Breit.
Es handelt sich hier natürlich um ein verlagsfrisches, ungelesenes Exemplar.
Autoren: Annemarie Rath, Helmut Ricke, Xenia Riemann sowie Originaltexte von Klaus Breit
Verlag: Deutscher Kunstverlag, München / Berlin
Jahr: 08/2007
Auflage: Erstauflage 2007
Seitenanzahl: 376 Seiten
Abbildungen: 1600 s/w und 115 farbige Abbildungen
Buchart: Hardcover
Sonstige Beilage: CD-ROM mit Abbildungen aller Seiten der Produktionskataloge 1958–1991
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-422-06764-7
ISBN 13: 978-3-422-06764-6
Größe: ca. 280 x 230 mm
Gewicht: ca. 2.200 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonderheit: sehr viele Abbildungen, wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas
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