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Fachbuch: Reine Formsache
Deutsches Formglas 15. bis 19. Jahrhundert
Sammlung Birgit und Dieter Schaich
Autoren: Dieter Schaich und Erwin Baumgartner
Das vorliegende Buch ist eine wissenschaftliche Abhandlung zur Ausstellung und Sammlung Birgit und Dieter Schaich. Die Ausstellung fand im museum kunst palast, Düsseldorf, statt.
Ausstellungen zur Geschichte der Glaskunst werden immer seltener. Zu groß ist das Risiko, denen die kostbaren Werke ausgesetzt werden. Noch schwieriger ist es, Themen zu finden, die neu und nicht bereits abgehandelt sind und deren wissenschaftlicher Ertrag daher dies Risiko rechtfertigt. Auch Leihgeber, die bereit sind, die Gefahren für ihre empfindlichen Schätze auf sich zu nehmen, werden immer seltener.
So ist es ein besonderer Glücksfall, dass Dieter und Birgit Schaich für den Plan gewonnen werden konnten, ihre mit System und Konzept aufgebaute Sammlung von Formgläsern des 15. bis 19. Jahrhunderts erstmals öffentlich auszustellen. Dazu erschien das vorliegende Buch, welches als Handbuch zum Thema Formglas angelegt ist.
Der Begriff Formglas bezeichnet hüttenfertiges Glas, das unmittelbar am Ofen vollendet und nicht durch Schliff, Gravur, Malerei oder sonstige Veredelung nachbehandelt oder dekoriert wurde. Über die Jahrhunderte war dies die geläufigste Art der Herstellung für das Gebrauchsglas des täglichen Bedarfs, war aber auch für besonders geschickt und kunstvoll gearbeitete Spezialitäten kennzeichnend. Stets ist es einzig das Können des Glasbläsers, das über Qualität und Gelingen eines Formglases entscheidet.
Obwohl alte Formgläser von Sammlern wegen der reizvollen Vielfalt ihrer Gestaltungsmöglichkeiten geschätzt sind, herrscht in Bezug auf die Lokalisierung der Herkunft einzelner Typen und ihre zeitliche Einordnung noch einige Unsicherheit. Die Aktivitäten von Privatsammlern sind da für die wissenschaftliche Klärung eine unschätzbare Hilfe. Das Ehepaar Dieter und Birgit Schaich kann hier geradezu als exemplarisch gelten. Seit nahezu vierzig Jahren haben sich beide intensiv mit dem Thema befasst und in seltener Konsequenz eine inzwischen auf etwa 2500 Stück angewachsene Sammlung aufgebaut.
Die Ausstellung des Glasmuseums Hentrich zeigt anhand von etwa 500 ausgewählten Trinkgefäßen, Behältern und Flaschen das Konzentrat dieser Bemühungen. Da das Interesse der in Fachkreisen hochrenommierten Sammler stets dem besonderen, seltenen und noch nie publizierten Stück galt, halten Ausstellung und Buch zahlreiche Überraschungen bereit.
Vorwort:
Es ist eine schöne und angenehme Aufgabe, für ein wichtiges Buch nicht mehr tun zu müssen, als das Vorwort zu schreiben. Auch wenn man als Initiator, Begleiter, Beobachter und gelegentlich als Ratgeber Anteil genommen hat - die Arbeit haben andere geleistet; und das war sicherlich keine leichte Aufgabe. Allein schon aus einer Sammlung von gut 2500 Gläsern die Auswahl von 500 besonders relevanten Stücken zu treffen, war nicht einfach. Diese Stücke dann nicht nur im Einzelnen zu bearbeiten und zu kommentieren, sondern in einen sinnvollen, übergeordneten Zusammenhang zu bringen, erforderte weit mehr als nur Engagement und Interesse an der Sache. Es setzte profunde Kenntnis und beträchtliches Stehvermögen voraus. Über beides verfügen Dieter Schaich und Erwin Baumgartner, der den Sammler wissenschaftlich und praktisch unterstützt hat, in hohem Maße. Das Buch ist ein Konzentrat von gut vier Jahrzehnten intensiver und zunehmend systematischer Sammeltätigkeit. Das Ehepaar Schaich hat sich vor allem um das ungemein vielgestaltige Glas bemüht, das seinen formalen Reiz der Geschicklichkeit des Glasmachers unmittelbar am Ofen und nicht dem in Veredelungswerkstätten hinzugefügten Dekor verdankt.
Die Gläser der Sammlung Schaich sind in den deutschsprachigen Gebieten entstanden zu einer Zeit, als noch niemand an Begriffe wie >Design< dachte. Sie wurden über die Jahre in schrittweise sich entwickelnden Formen hergestellt, um bestimmte Funktionen zu erfüllen. Diese Entwicklungen verfolgt die Sammlung Schaich im Detail und bemüht sich intensiv um ihre wissenschaftliche Analyse.
Die Beharrlichkeit, mit der das Thema durch die Sammler verfolgt wurde, hat inzwischen zu einem Ergebnis geführt, das es nahezu unabweisbar macht, der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden. Das Glasmuseum Hentrich im Düsseldorfer museum kunst palast schätzt sich glücklich, diese Aufgabe übernehmen zu können, zumal sich das-Thema Formglas bruchlos in die Aktivitäten der Sammlungen einfügt. Seit mehreren Jahren befasst sich das Museum - neben den glashistorischen Schwerpunkten und der zeitgenössischen Glasgestaltung - in Ausstellungen und Publikationen verstärkt mit der Entwicklung des Glasdesigns im 20. Jahrhundert. In diesem Zusammenhang fiel immer wieder auf , wie gering die allgemeinen Kenntnisse über die hüttentechnisch gefertigten Gläser der vergangenen Jahrhunderte sind. Das durch Emailmalerei, Schnitt oder Schliff verzierte Glas der Epochen seit dem 16. und 17. Jahrhundert ist vergleichsweise gut erforscht. Über das Formglas dieser Zeit wissen wir dagegen wenig. Noch immer trifft man bei der zeitlichen Einordnung solcher Gläser auf kursorische Datierungen, die gelegentlich zwei Jahrhunderte überspannen. Die Sammlung Schaich und das vorliegende Katalogbuch tragen wesentlich dazu bei, diese Wissenslücke zu verringern.
Für das Museum erschien es äußerst reizvoll, mit einer Präsentation der Essenz der Sammlung Schaich gewissermaßen die Voraussetzungen zum Design des 20. Jahrhunderts anschaulich zu machen und den Entwicklungen in der Moderne so ihre Basis zu geben. Für viele Betrachter wird die Vielfalt, Formsicherheit und Schönheit der Gefäße eine Überraschung sein. Ungewöhnliche Funktionen führen zu rätselhaften Formen. Immer wieder wird die Brücke von der ästhetischen Erscheinung zum kulturhistorischen Zusammenhang geschlagen. Schon aus diesem Grund war die Publikation ein wirkliches Desiderat.
Von Anfang an war klar, dass Dieter Schaich die wissenschaftliche Bearbeitung selbst würde leisten müssen. Kein noch so umfänglich gebildeter Museumsmann kann es mit der Intensität und Vertiefung aufnehmen, die ein engagierter Sammler aufbringt, wenn er mit der nötigen Ernsthaftigkeit und dem entsprechenden wissenschaftlichen Bemühen an die Sache herangeht. Dieter Schaich hat seine Sachkenntnis bereits in mehreren Vorträgen und Publikationen unter Beweis gestellt, und seine Kompetenz auf dem Gebiet des Formglases, bisher vor allem in seinem Gedächtnis verankert oder festgehalten in einer Fülle von Karteikarten und Notizen, ist in Fachkreisen unbestritten. Damit zählt er zu den wenigen Sammlern, die beim Aufbau einer bedeutenden Sammlung auch die wissenschaftliche Seite abzudecken vermögen. Bei der Erforschung der Gläser schlug er mehrfach neue Wege ein, etwa im Vermessen der Inhalte von Trinkgläsern, um diese anhand der jeweiligen Maßeinheiten bestimmten Landschaften und Herrschaftsbereichen zuweisen zu können. Um sicher zu gehen, dass seine Arbeit den Standards wissenschaftlicher Glaspublikationen entsprach und um die Fülle seiner Informationen in die gebührende Ordnung zu bringen, versicherte Dieter Schaich sich der Hilfe Erwin Baumgartners. Damit stand ihm ein Glashistoriker zur Seite, der durch zahlreiche maßgebliche Publikationen, vornehmlich zum Glas des Mittelalters und zum venezianischen Glas, bestens ausgewiesen ist und über die nötigen Erfahrungen in Theorie und Praxis verfügt. Aus dieser Zusammenarbeit ist ein Buch entstanden, das sich vom üblichen Schema - Sammler bittet Glashistoriker um Bearbeitung - deutlich abhebt. In den alles bestimmenden Beiträgen Dieter Schaichs verbindet sich die Leidenschaft des Sammlers mit der Sachkenntnis und methodische Exaktheit des planungsgeübten Architekten, der er auch ist. Im Sprachduktus sind die Texte in Teilen spürbar durch das persönliche Engagement des Sammlers bestimmt. Insbesondere das Kapitel zur Entstehung der Sammlung ist hier lesenswert. Die Unterstützung durch Erwin Baumgartner kam vor allem der Benutzbarkeit des Katalogs als Handbuch zum Thema zugute.
Entstanden ist eine Publikation von bleibendem Wert, von der wir uns wesentliche Impulse für weitergehende Studien zum Thema Formglas erhoffen dürfen.
Helmut Ricke
Es handelt sich hier um die in Leinen gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag. Natürlich verlagsneu!
Autoren: Dieter Schaich und Erwin Baumgartner

Verlag: Deutscher Kunstverlag München / Berlin
Erstauflage: 12/2007
Auflage: 1. Auflage 2007
Seitenanzahl: 352 Seiten
Buchart: Leineneinband mit Schutzumschlag
Abbildungen: 737 Farb- und 8 s/w-Abbildungen
Sprache: deutsch
ISBN 10: 3-422-06765-5
ISBN 13: 978-3-422-06765-3

Größe: ca. 300 x 240 mm
Gewicht: ca. 2.250 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonderheiten: erste wissenschaftliche Aufbereitung des Themas Formglas
Hier für nur 78,00 EUR.
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