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Fachbuch: Gerhard Marcks Einheit der Gegensätze 1919-59

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Beschreibung
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Fachbuch: Gerhard Marcks
Die Einheit der Gegensätze
Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken, 1919-1959
Autoren: Jürgen Fitschen und Arie Hartog


»Es ist eine Kunst frei von Hass und Bitterkeit,
voll Anerkenntnis der Tragödie und der Traurigkeit
des Lebens, und auch von der Liebe. Es gibt ein
Bild des vielseitigen Lebens unserer Zeit, ein Bild,
das diese Zeit korrekt und treu schildert und
richtig beurteilt und durch den Geist überwindet.«

Eugene N. Anderson, 1978



Gerhard Marcks gehört zu den bedeutenden Bildhauern des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Der 1889 in Berlin geborene und 1981 in der Eifel im 92. Lebensjahr verstorbene Künstler hat mit seinem Werk beinahe das gesamte Jahrhundert durchmessen. Den Lehrjahren nach 1907 in Berlin folgten ab 1919 Tätigkeiten als Formmeister am berühmten Weimarer Bauhaus und von 1925 bis 1933 als Professor für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Halle an der Saale. Dort wirkte er zuletzt auch als Direktor. Von den nationalsozialistischen Machthabern wurde Marcks wegen seines Eintretens für jüdische Kollegen aus seinem Amt in Halle entlassen. Bis 1945 lebte er in einer Art »inneren Emigration« in Berlin und an der Ostsee in Niehagen auf dem Darß. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der von vielen Akademien umworbene Bildhauer zunächst Professor an der Landeskunstschule in Hamburg, ehe er 1950 nach Köln wechselte: Die Stadtgemeinde errichtete ihm auf dem Zenit seines Erfolges ein Wohn- und Atelierhaus, das er auf Lebenszeit nutzen konnte. Sein Werk umfasst über 1200 Skulpturen aus Stein und Holz und Bronzeplastiken sowie ein reiches druckgrafisches und zeichnerisches Schaffen. In der Nachkriegszeit ist er als Schöpfer von bedeutenden Ehren- und Totenmalen hervorgetreten (unter anderem Ehrenmale in Hamburg, Mannheim, Köln, Bochum).



Gerhard Marcks gelangte nach expressionistischen Werken unter dem Einfluss der Antike zu einer streng vereinfachenden und natürlichen Form seiner Figuren, in deren Mittelpunkt der Begriff »Maß« steht. Von übertriebenen Affekten freie Gestaltungsweisen zeichnet das bildhauerische und grafische Schaffen gleichermaßen aus. Eine Griechenlandreise im Jahre 1928 wurde zum Wendepunkt der plastischen Anschauung. Sie hat ihm die unmittelbare Kenntnis der Meisterwerke griechischarchaischer Plastik eröffnet, die er als regelrechte Offenbarung erlebte.



Der Weg zu einer an der strengen vorklassischen Auffassung geschulten Bildhauerkunst war auf diese Weise vorgezeichnet. Sie hat das weitere Schaffen bis ins Spätwerk hinein bestimmt: »Ich habe mir (...) eine Maxime gestellt, die allerdings nur schlecht in die Zeit passt: Maass. Denn das Maass ist in Wahrheit der Grund der Gründe! Die Effekte so gegeneinander ausspielen, dass keiner in die Augen springt, das heißt, den Besucher zur Ruhe zwingen (...).

"Wem einmal ein Meisterwerk irgendeiner Epoche aufgegangen ist, wer erkennt, dass Zucht und Freiheit wertvoll nur in der gegenseitigen Ergänzung sind, der verlässt die Effekthascherei" (Marcks, 1953).



Dieses Buch verfolgt das Werden der künstlerischen Form bis zum Höhepunkt der öffentlichen Anerkennung seines Werkes, das sich von 1919 bis 1959 vollzieht. Die Figuren, die in diesen vier Jahrzehnten entstanden, sind mit vielfältigen Konnotationen verbunden: etwa der selbstgewisse Mensch, Werden und Vergehen, Lebensallegorien, Mensch und Natur, Auferstehen und Aufbruch nach dem Fall. Sie geben ein Panorama seiner künstlerischen Ideen seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bis in die Nachkriegszeit, in deren Mittelpunkt die Wiedergewinnung eines humanen Menschenbildes in der Kunst nach und in den großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts steht.

Frei von vordergründigen Konflikten und Brüchen, rühren diese Werke in der Tiefe an die stets aktuellen Daseinfragen: Das unaufdringliche Pathos seiner Kunst darf als Versuch verstanden werden, dem Chaos der Welt unverrückbare und selbstgewisse Menschlichkeit gleichsam gegenüber zu stellen.

Über Gerhard Marcks, geb. 18.02.1889 in Berlin, gest. 13.11.1981:

Gerhard Marcks gehört neben Ernst Barlach, Georg Kolbe und Wilhelm Lehmbruck zu den wichtigsten deutschen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Seine Skulpturen gelten als Inbegriff einer aus klassischen Traditionen schöpfenden und zugleich modernen Formensprache, die dem Figürlichen verpflichtet ist.

Skulpturen:

Am Anfang seiner Karriere vor allen Dingen der Tierplastik zugewandt, entdeckte er schnell die menschliche Figur als dasjenige Thema, welches seinen Intentionen am meisten entsprach. Zeit seines Lebens ist er ihr treu geblieben. Nach einer eigenständigen Werkphase in der ersten Hälfte der 20er Jahre, als er sich einer expressionistischen Formensprache bedient hatte, fand er in den Folgejahren zu einem naturalistischeren Menschenbild zurück. Eine klare, beinahe strenge Formensprache, die sich auf das Wesentliche des Sujets beschränkt, blieb ihm von nun an eigentümlich. Seine Themen erschloss sich Gerhard Marcks aus dem häuslichen Genre, innerhalb des Porträts, der christlichen Religion und der griechischen Mythologie. Nie wirken seine Gestalten heroisch oder von Pathos beladen, sondern spiegeln menschliche Grundstimmungen, manchmal auch eine leise Verhaltenheit wider. Neben wenigen Versuchen in Stein blieb ihm die Bronze seit der zweiten Hälfte der 20er Jahre das bevorzugte Material.

Handzeichnungen:

Die Zeichnung diente Gerhard Marcks in erster Linie als Hilfsmittel für die plastische Arbeit. In der Regel, während Modellsitzungen entstanden, umkreisen sie auf der Suche nach der endgültigen Form in immer neuen Ansichten eine bildnerische Idee. Häufig ist es die vollständige Figur, die von unterschiedlichen Seiten aus gesehen wird. Daneben stehen Detailstudien, die sich isoliert mit einzelnen Problemen der Darstellung auseinander setzen. Ganz der Bildhauer werden seine Blätter durch einen festen, reduzierten Strich charakterisiert, der die Umrisslinien des Sujets sicher wiedergibt und beinahe ohne Binnenzeichnung auskommt. Ein harter Bleistift ist das bevorzugte Werkzeug. Parallel zu den Modellstudien waren Stift und Papier für Gerhard Marcks ein praktisches, leicht zu handhabendes, Ausdrucksmittel, das ihn auf seinen Reisen begleitete und zu dem er auch im häuslichen Umkreis griff, um Momentaufnahmen oder Landschaftseindrücken eine bleibende Erinnerung zu verleihen.

Druckgraphik:

Es sind der Holzschnitt und später die Lithographie, mit denen sich Gerhard Marcks innerhalb der druckgraphischen Techniken besonders beschäftigt hat. Der Holzschnitt, der am Ende des 19. und Anfang des 20. Jhs. eine Renaissance erlebte, kam Gerhard Marcks durch das Material und eine der Bildhauerei verwandte, strenger Konzeption unterliegende, Ausführung entgegen. Die Bildidee kommt hier in wenigen, gut durchdachten, Linien zum Ausdruck. Besonders zwischen den Jahren 1919 und 1925, als er im thüringischen Dornburg die Töpferwerkstatt des Staatlichen Bauhauses in Weimar betreute, sind zahlreiche Druckstöcke entstanden, die heute zu den Höhepunkten innerhalb seines Werkes zählen. In einer spätexpressionistischen Formensprache schildern sie das ländliche Leben, mit dem sich der Bildhauer damals tagtäglich konfrontiert sah. Später, in den 50er Jahren, ist es die griechische Mythologie, welche ihn beschäftigt. Daneben bleibt er Themen wie dem Ausdruck menschlicher Befindlichkeit, Grundlage seines bildhauerischen Schaffens, und der Landschaft als rein zeichnerischem Sujet verbunden. In seinem Alterswerk erhält gerade die Letztere ein ungeahntes Gewicht. Dem hochbetagten Künstler fiel die Bearbeitung von Holz und anderen harten Materialien immer schwerer und so wandte er sich im Verlaufe der 70er Jahre mehr und mehr der Lithographie zu, die es ihm erlaubte, mit Kreide auf entsprechend präparierte Steinplatten zu zeichnen. Mit weichen, beinahe malerischen Zügen entstehen Landschaftsausschnitte aus der Eifel, wo Gerhard Marcks einen Großteil seiner letzten Lebensjahre verbrachte.

Lebensdaten:
Jahr Ereignis
1889 am 18. Februar in Berlin am Kurfürstendamm als Sohn eines Kaufmanns geboren.
1907 nach dem Abitur: Reise nach Norwegen, zeichnete Landschaftsansichten. Tierstudien im Berliner Zoo. Lernte über seinen Bruder, den Architekten Dietrich Marcks, Richard Scheibe kennen und trat in dessen Atelier ein.
1908 Gerhart Hauptmann kauft auf einer Ausstellung der Berliner Secession eine seiner ersten Tierskulpturen.
1911 arbeitet in Porzellan für die Schwarzburger Werkstätten.
1912-1913 Militärdienst in Lübeck.
1914 für ein Haus von Walter Gropius auf der Kölner Werkbundausstellung arbeitet er mit Scheibe zusammen einen Terracottafries. Reise nach Frankreich. Heirat mit Maria Schmidtlein. Einzug in den Krieg nach Flandern.
1915 kommt als Schwerkranker aus dem Krieg zurück.
1917 wird als künstlerischer Berater für die Kriegsgräberfürsorge nach Westpreußen kommandiert.
1918 nach Beendigung des Krieges: Berufung von Bruno Paul an die Kunstgewerbeschule Berlin.
1919 Berufung an das Staatliche Bauhaus in Weimar durch Walter Gropius, übernimmt die Leitung der Töpferabteilung in Dornburg.
1925 nach Auflösung des Bauhauses in Weimar: Professor an der Kunstgewerbeschule auf der Burg Giebichenstein in Halle.
1925-1927 Reisen nach Italien.
1928 Villa-Romana-Preis des Deutschen Künstlerbundes. Erste Reise nach Griechenland.
1930 nach dem Tode von Paul Thiersch Direkor i.V. der Werkstätten Burg Giebichenstein.
1933 wird aus seinem Amt entlassen und geht nach Niehagen bei Wustrow in Mecklenburg.
1934 Stipendiat der Villa Massimo, Rom.
1937 Werke von Marcks auf der "Entarteten"-Ausstellung. Beschlagnahme von 24 Arbeiten in der Galerie Buchholz. Ausstellungsverbot und Androhung des Arbeitsverbotes. Ludwig Kasper stellt ihm in Berlin sein Atelier zur Verfügung.
1939 Atelier am Nikolassee in Berlin.
1941 Reise nach Italien.
1943 Atelier am Nikolassee in Berlin.
1944 Rückzug nach Mecklenburg.
1945 Zerstörung und Plünderung von 17 Kisten früherer Arbeiten, die bei Freunden in Halle versteckt waren.
1946 Berufung durch Ahlers-Hestermann an die Kunstschule nach Hamburg.
1946-1948 Fortsetzung des von Barlach begonnenen Figuren- frieses an der Katharinenkirche in Lübeck.
1949 Goethe-Medaille. Reise nach Spanien.
1950 Übersiedlung nach Köln als freischaffender Künstler. Folgt einer Einladung der Fairmont Park Associaton in die USA.
1952 Ritter des Ordens "Pour le Mérite". Stephan-Lochner-Medaille der Stadt Köln.
1953 Reise nach Italien.
1954 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Reise nach Griechenland.
1955 Kunstpreis der Stadt Berlin. Auf Einladung der Südafrikanischen Kunstvereinigung: Reise nach Namibia und Südafrika.
1963 Reise in die USA und nach Mexiko.
1981 am 13. November gestorben.


Sie erhalten hier natürlich ein bisher ungelesenes Exemplar.

Autoren: Erik Stephan (Hrsg.)
Herausgeber: Gerhard Marcks Stiftung, Bremen; Kreis Unna
Erstauflage: 17.06.2007
Auflage: 1. Auflage 2007
Seitenanzahl: 48 Seiten
Buchart: Hardcover
Abbildungen: 34 farbige und 45 Duoton Fotos
Sprache: deutsch
ISBN 10: 3-924412-60-X
ISBN 13: 978-3-924412-60-9
Größe: ca. 317 x 245 x 10 mm
Gewicht: ca. 600 Gramm
Zustand: neu, ungelesen

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