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Fachbuch: Glanzstücke
Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte
Herausgeber: Paul Asenbaum, Wolfgang Kos und Eva-Maria Orosz
Opulente Übersicht zum Schmuck der Wiener Werkstätte. Ein Muss für jeden Schmuck- und Jugendstil-Liebhaber!
Die Wiener Werkstätte (1903 gegründet) wollte der anonymen Massenproduktion hochwertige Handwerkstradition entgegensetzen. Von Beginn an entstanden auch revolutionäre Schmuckentwürfe, die mit den Traditionen radikal brachen: Was zählte, war die künstlerische Idee und nicht der materielle Wert. Schmuck der Wiener Werkstätte wurde von Architekten und Künstlern entworfen: nicht mit Brillanten, sondern mit ornamental eingesetzten Steinen wie Opal, Mondstein, Lapislazuli und Koralle; gefasst in Silber. Die opulent bebilderte Publikation präsentiert Spitzenstücke des Schmuckschaffens der Wiener Werkstätte: Virtuos arrangierte, geometrische Miniatur-Mosaike von Josef Hoffmann werden hier ebenso gezeigt wie die durch klare Linien und geschwungene Jugendstil-Formen bestechenden Designs von Koloman Moser und die kühnen und extravaganten Kompositionen Dagobert Peches, die ab 1915 stilbildend werden und schon auf den Art Déco weisen. Auch die Designer Eduard Josef Wimmer-Wisgrill und Carl Otto Czeschka sind mit meisterhaften Stücken vertreten. Ergänzt wird der Katalog durch kenntnisreiche Beiträge zur Wiener Werkstätte, ihrem Schmuck und seinen Entwerfern und zu Emilie Flöge, der Protagonistin des Wiener Werkstätte-Schmucks sowie Lebensgefährtin und Muse Gustav Klimts. Entwurfszeichnungen, Zeitschriftenartikel und historische Fotografien runden die Veröffentlichung ab.
Für Sammler und Händler interessant: Das Buch enthält Markenabbildungen, die eine Zuordnung der Schmuckstücke erleichtert.
Zeiträume und Orte der Ausstellung:
Wien Museum, Karlsplatz vom 13.11.2008 bis 22.02.2009
Schmuckmuseum Pforzheim vom 14.03. bis 05.07.2009
Zur Ausstellung in Wien:
Raritäten aus Privatsammlungen
Das Wien Museum Karlsplatz präsentiert in Kooperation mit der Neuen Galerie New York erstmals eine Zusammenschau der Schmuckkunst der Wiener Werkstätte. Qualität geht hier vor Quantität: Gezeigt werden 38 rare Spitzenwerke, die in vielen Fällen aus amerikanischen und österreichischen Privatsammlungen stammen und großteils noch nie in Wien zu sehen waren. Eine besondere Attraktion der Ausstellung sind die einzigartigen Halsketten und Broschen von Josef Hoffmann und Koloman Moser, die Gustav Klimt seiner Gefährtin Emilie Flöge schenkte. Über teilweise unveröffentlichte Fotos und Möbel erschließt sich die mondäne Welt des Salons „Schwestern Flöge" und dessen betuchter Kundschaft.
Ideen statt Brillanten
Schmuck spielte in der Wiener Werkstätte von Beginn an eine herausragende Rolle: Ab 1903 entstanden revolutionäre Entwürfe, die mit den Traditionen der Juweliere radikal brachen. Was zählte, war die künstlerische Idee - und nicht der materielle Wert. Der neue Schmuck funkelte nicht mit Brillanten, sondern glänzte mit ornamental eingesetzten bunten Halbedelsteinen wie Opale, Mondstein, Lapislazuli und Koralle. Josef Hoffmann entwarf virtuos arrangierte, geometrische Miniatur- Mosaike, Koloman Mosers Designs bestechen durch klare Linien und geschwungene Jugendstil- Formen. Ab 1915 wurde Dagobert Peche mit seinen kühnen und extravaganten Kompositionen stilbildend. Nach englischem Vorbild gab es ein enges Zusammenspiel zwischen Designern mit Kunstanspruch und Handwerkern, die die Entwürfe virtuos umsetzten.
Wichtigste Protagonistin des Schmucks der Wiener Werkstätte war Emilie Flöge. Sie stand nicht nur als Fotomodell für den WW-Schmuck zur Verfügung, sondern versammelte in ihrem Modesalon eine finanzkräftige Geschmackselite, die sich die aufwändig hergestellten „Glanzstücke" leisten konnte und den lebensreformerischen Ideen gegenüber aufgeschlossen war. Heute ist die trendbewusste Geschäftsfrau vor allem durch ihre Beziehung mit Gustav Klimt bekannt, sein Flöge-Porträt ist ein Meisterwerk der Museumssammlung.
2900 Entwürfe in 30 Jahren
Die Wiener Werkstätte wurde 1903 von Josef Hoffmann, Koloman Moser und Financier Fritz Waerndorfer als Produktiv-Genossenschaft gegründet. Als Vorbild galt die englische Arts & Crafts- Bewegung, die der anonymen Masse der Industrieprodukte hochwertige Handwerkstradition entgegensetzte. Auch der Wiener Werkstätte ging es um eine Veredelung des Alltags und die Vereinigung von Kunst und Handwerk, ihr Leistungsspektrum reichte vom Bau und der Einrichtung ganzer Häuser bis hin zu wertvollen Einzelobjekten und Gebrauchsgegenständen.
In den drei Jahrzehnten ihres Bestehens wurden rund 2900 Schmuckentwürfe - Broschen, Anhänger, Ringe, Krawattennadeln, Gürtelschließen - produziert, zunächst großteils Unikate, in der Spätzeit auch Emailschmuck in größerer Auflage. Neben Hoffmann, Moser und Peche sind Eduard Wimmer- Wisgrill und Carl Otto Czeschka als Designer zu nennen. Hergestellt wurden die Kostbarkeiten von hoch qualifizierten Handwerkern, deren Kreativität bei der Umsetzung des Entwurfs für die Qualität der Endprodukte mitentscheidend war. Spitzenwerke des WW-Schmucks sind heute Raritäten, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass viele Auftraggeber und Käufer jüdischer Herkunft waren - falls sie überhaupt vor den Nationalsozialisten fliehen konnten, dann meist ohne ihre Wertsachen. Der Schmuck wurde konfisziert und in vielen Fällen eingeschmolzen.
Die Trägerinnen: fortschrittlich, unabhängig, individuell
Zur Zeit der Wiener Werkstätte kam dem Schmuck eine besondere Funktion zu. Die Trägerinnen bewiesen damit - besonders in Kombination mit Reformkleidern - erlesenen Geschmack und Individualität, sie inszenierten sich als unabhängig und fortschrittlich. Zu den ersten Kundinnen zählte die Industriellengattin Sonja Knips, die sich bereits von Gustav Klimt hatte porträtieren lassen und deren Wohnung Josef Hoffmann eingerichtet hatte. Fritz Waerndorfer, Sprössling einer Industriellenfamilie und erster kaufmännischer Direktor der Wiener Werkstätte, war einer der besten Kunden seiner selbst: Über die Jahre orderte er nicht nur unzählige silberne Einrichtungsgegenstände (von Obstschalen bis Zahnstocherhalter), sondern auch erlesenen Schmuck, etwa eine besonders raffiniert gestaltete Hoffmann-Brosche. Auch das Ehepaar Otto und Eugenie („Mäda") Primavesi waren Mäzene der Werkstätte, die einflussreiche Journalistin Berta Zuckerkandl rührte in ihrem berühmten Salon kräftig die Werbetrommel.
Emilie Flöge: Beschenkte und Werbeträgerin
Wichtigste Promoterin war Emilie Flöge, der „Star" der Ausstellung: „Emilie trug stets Schmuck der Wiener Werkstätte, meist vier kleine Broschen, aber auch lange Ohrgehänge", erinnerte sich Elisabeth Schironi, das letzte Mannequin des Flöge`schen Modesalons. Ein ehemaliges Lehrmädchen meinte wiederum, Flöge habe „als einziges Schmuckstück eine lange Kette und eine schöne emailgetriebene Wiener-Werkstätte-Arbeit als Anhänger" getragen. Abgesehen von solchen - kritisch zu hinterfragenden - Quellen lassen sich im WW-Archiv deutliche Spuren Flöges in Zusammenhang mit Schmuck nachweisen. Gustav Klimt schenkte seiner Gefährtin mindestens zehn Schmuckstücke, sechs davon sind in der Ausstellung erstmals versammelt zu sehen. „Die Flöge" trug den Schmuck selbst beim Bootsfahren mit Klimt am Attersee - wie ein berühmter Schnappschuss „beweist".
Flöge selbst nahm in ihrem Modesalon in der „Casa Piccola" (Mariahilfer Straße 1b) 20 Schmuckstücke der Werkstätte in Kommission: Synergien zwischen der Wiener Werkstätte und dem Modesalon waren in beiden Einrichtungen gegeben. Die Schmuckstücke waren für den Geschmack der Zeit aber offenbar zu schlicht und unattraktiv, verkauft wurde im „Salon Flöge" also nur sehr wenig - eine Brosche, zwei Gürtelschließen, eine Hutnadel und ein Schirmgriff. Letztlich handelt es sich um ein typisches Beispiel für die Wiener Werkstätte, deren hochpreisige Produkte meist nur wenige KäuferInnen fanden und deren kaufmännische Leitung mehr vom Idealismus denn von unternehmerischem Geist geprägt war.
Erstmals Leihgaben aus dem Umfeld der Neuen Galerie New York
Die Ausstellung „Glanzstücke" basiert auf einer Kooperation zwischen dem Wien Museum und der Neuen Galerie New York, dem Privatmuseum mit Fokus auf Kunst der Wiener Moderne, das seit der Präsentation des restituierten Klimt-Porträts „Adele Bloch-Bauer I" in aller Munde ist. Nach einigen Leihgaben aus Österreich kommen nun erstmals Objekte aus dem Sammlerumfeld der Neuen Galerie nach Österreich. Nach Wien wird die Ausstellung auch im renommierten Schmuckmuseum Pforzheim gezeigt. Kuratiert wurde die Schau von Paul Asenbaum, einem ausgewiesenen Spezialisten für den Schmuck der Wiener Werkstätte, und Eva-Maria Orosz vom Wien Museum. Bei der Gestaltung entscheidend war vor allem die vertikale Präsentation der Schmuckstücke, um deren Bildcharakter gerecht zu werden. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag „Arnold`sche Art Publishers" erschienen, mit Beiträgen von Janis Staggs (Kuratorin der Neuen Galerie), Ernst Ploil, Tobias Natter, Elisabeth Schmuttermeier, Eva-Maria Orosz und Wolfgang Kos.
70 Jahre danach
In der Ausstellung - nicht im Katalog - folgt der Wiener Werkstätte-Schau ein weiteres Kapitel mit dem Titel „70 Jahre später". Erinnert wird an die von Inge Asenbaum geführte „Galerie am Graben", die ab 1972 für rund 20 Jahre Wiens wichtigste Drehscheibe für zeitgenössische Schmuckkunst war.
Damit gab es auch hier ein Forum für internationale Schmuckkünstler wie Hermann Jünger, David Watkins und Gerd Rothmann. Und vor allem förderte die „Galerie am Graben" jene neue Schmuckszene um Peter Skubic, Gert Mosettig, Fritz Maierhofer, Manfred Nisslmüller und Veronika Schwarzinger, die 70 Jahre nach der Wiener Werkstätte internationale Aufmerksamkeit fand. Einmal mehr ging es um die Abgrenzung zum Schmuck der Goldschmiede und Juweliere, diesmal mit Strategien der Concept Art und mit Materialien wie Stahl oder Kunststoff. Diese Präsentation soll auch eine Hommage für die Schmuck-Pionierin Inge Asenbaum sein, die über ihren Enthusiasmus für den WW-Schmuck zur Förderin neuester Trends wurde.
Über Emilie Flöge
Emilie Louise Flöge (* 30. August 1874 in Wien; † 26. Mai 1952 ebenda) war eine österreichische Designerin, Modeschöpferin und Unternehmerin. Sie war die Lebensgefährtin des Malers Gustav Klimt.
Sie war die Tochter des Drechslermeisters und Meerschaumpfeifenfabrikanten Hermann Flöge (1837-1897) und erlernte zunächst den Beruf einer Schneiderin. Später wurde sie aber Modeschöpferin und gemeinsam mit ihrer Schwester Helene ab 1904 erfolgreiche Geschäftsfrau als Inhaberin des Wiener Haute-Couture-Salons „Schwestern Flöge“ in der Mariahilfer Straße. In diesem Salon, der vom Architekten Josef Hoffmann im Jugendstil entworfen worden war, präsentierte sie Modellkleider, die dem Modegeschmack der Wiener Werkstätte entsprachen. Auf ihren Reisen nach London und Paris informierte sie sich außerdem bei Coco Chanel und Christian Dior über die neuesten Modetrends. In der besten Zeit beschäftigte sie bis zu 80 Schneiderinnen. Nach dem „Anschluss Österreichs“ an das „Dritte Reich“ (1938) verlor Flöge aber ihre wichtigsten Kunden und musste den Modesalon, der zuvor zum führenden Modetreffpunkt der Wiener Gesellschaft geworden war, schließen. Ab 1938 arbeitete sie in ihrem Wohnhaus Ungargasse 39, wo sie im obersten Stockwerk wohnte. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs verbrannte hier nicht nur Flöges Trachtensammlung, sondern auch wertvolle Gegenstände aus dem Klimt-Nachlass.
Flöge war eine faszinierende Person der Wiener Bohème und des Fin de siècle. Sie wurde die Lebensgefährtin des Malers Gustav Klimt, der der Schwager ihrer Schwester Helene und zuvor häufiger Gast im Elternhaus war. Dieser porträtierte sie ab 1891 auf vielen seiner Bilder. Experten meinen, dass er auf seinem berühmtesten Bild „Der Kuss“ sich selbst und Emilie Flöge als Liebespaar dargestellt hat. Klimt entwarf für Flöges Salon auch einige „Reformkleider“, die von Frauenrechtlerinnen propagierten und ab 1898 von Künstlern der Wiener Secession entworfenen Kleider, ohne Korsett getragen, von den Schultern lose herabhängend, mit bequem weiten Ärmeln. Doch war die Klientel für diese damals allzu „revolutionäre“ Art von Kleidern zu gering, um davon leben zu können. Ihr Geld verdiente Flöge deshalb mit konventioneller Mode. Klimt porträtierte viele Damen der gehobenen Wiener Gesellschaft und konnte dadurch gleichzeitig seiner Lebensgefährtin die wohlhabende Kundschaft zuführen.
Im Frühjahr 2006 hatte der Spielfilm „Klimt“ seine Premiere, in dem Emilie Flöge von Veronica Ferres und Gustav Klimt vom US-Schauspieler John Malkovich dargestellt werden.
Auf den Bildern sehen Sie das Buch und einige Fotografien aus dem Buch. Ihr Exemplar wurde nicht für die Fotos genutzt und ist noch nicht ausgepackt.
Herausgeber: Paul Asenbaum, Wolfgang Kos und Eva-Maria Orosz
Verlag: Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart
Erstauflage: 11/2008
Auflage: 1. Auflage 2008
Seitenanzahl: 152 Seiten
Buchart: Gebunden
Abbildungen: 65 schw.-w. und 107 farbige Abbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-89790-298-2
ISBN 13: 978-3-89790-298-5
Größe: ca. 280 x 237 x 21 mm
Gewicht: ca. 1.050 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonderheiten: mit Markenabildungen
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