Truppenarzt und Zeitzeuge
Mit der 4. SS-Polizei-Division an vorderster Front
Hans Pichler, 351 Seiten, viele Fotos und Karten
Der Autor stand als Sanitätsoffizier der Waffen-SS 1941 vor Leningrad, kämpfte am Wolchow und Ladogasee, war Standortarzt in Griechenland und nahm an den Rückzugsgefechten im Banat und in Ungarn teil. Zu den besonders scheußlichen Erinnerungen zählen die Vorfälle von Kannibalismus in der Roten Armee, sowohl an eigenen als auch an deutschen Soldaten.
Den tüchtigen, treuen und aufopfernden Sanitätsdienstgraden der Waffen-SS widmet Dr. Pichler sein Buch. Sie bargen – oft unter Feindfeuer – verwundete Kameraden aus dem Vorfeld, ihr Blutzoll war entsprechend hoch. Ein spannender Tatsachenbericht.
Über die 4. SS-Polizei-Grenadier-Division gibt es fast keine Literatur, außer noch die Divisionsgeschichte "Die guten Glaubens waren".
Inhalt:
- Eid des Hippokrates
- Ausbildung und Rekrutenzeit (u.a. Dachau)
- Prag, Rusin und Goslar
- Zur 1. Sa.Kompanie der 4. SS-Polizei-Grenadier-Division
- Kavalleristen
- Frankreich
- Warum flog Rudolf Hess nach England?
- Rußlandfeldzug der 4. SS-Polizei-Grenadier-Division (Sommer 1941)
- Verloren in Rußlands Weiten (Luga, Lugi-Sümpfe, Ssussanino, Puschkin, Nowgorod, Ilmensee))
- Minenräumkommando
- Unser Pan (Front von Leningrad)
- Ein kluger Kopf spart Blut!
- Bei der Artillerie vor Leningrad (mit der 5. Gebirgsdivision)
- Wolchow und Ladogasee
- Unser verlorener Haufen (V.H.), der Bewährungseinheit der Division
- Verlegung ins Protektorat (heute Tschechei)
- Standortarzt in Griechenland
- Unsere Kameraden, die Kosaken
- Der Volksmord an den Kroaten
- Die griechischen Popen
- Vergasung mit Zyklon B
- Partisaneneinsätze
- Kämpfe im Banat und in Ungarn
- Im Kessel von Gotenhafen - Der letzte Akkord
- Im Norden Deutschlands
- Verwundet beim Gegner
- Auch in der Heimat hinter Stacheldraht (u.a. Munsterlager)
- Langsamer Aufstieg
Rezension:
Pichler führte im Krieg ein Tagebuch, das er regelmäßig nach Hause schickte und so blieben seine Aufzeichnungen erhalten.
Rekrutiert wurde er als 27jähriger, frisch gebackener Dr. med., 1939 zu den SS-Verfügungstruppen und der Einheit "DF" (Der Führer).
Er wurde als Zugführer einer Sanitätsersatzkompanie eingesetzt, die in Dachau Sanitäter ausbildeten. In Dachau waren kurz vorher die Totenkopf-Divisionen aufgestellt worden.
Am Ende des Frankreichfeldzuges wurde er Bataillonsarzt in Prag-Rusin. Im Dezember 1940 wurde er zur 1. San.Kompanie der 4. SS-Polizei-Grenadier-Division versetzt.
Pichler fügt interessante Geschehnisse der damaligen Zeit geschickt in seine Texte ein: Der Flug von Hess nach England, Angriff auf Rußland oder dem russischen Angriff zuvorgekommen...
Die Division marschiert tärglich 70 km auf den schlechten litauischen Straßen bis zur Düna (Dünaburg). Die 4. SS-Polizei-Grenadier-Division folgt der 3. SS-Totenkopf-Division, die aufgrund des schnellen Vormarsches schwere Verluste hat und einzelne Bataillone nur noch 80 Mann haben.
Die Russen sind Meister im tarnen und verteidigen ihre Stellungen zäh. Auch die Partisanen greifen verstärkt an (August 1941).
Luga wird unter schwersten Verlusten genommen. Im I. Btl., III. Rgt. sind nur noch 136 Mann einsatzfähig.
Auch verwundete Russen werden versorgt. Zitat: An Zähigkeit und Ausdauer können es unsere Männer mit diesen Naturburschen nicht aufnehmen.
22.8.41: In den letzten 12 Tagen hat unsere Division 1.000 Mann an Toten verloren, 1.400 Verwundete. In jedem Regiment wird das III. Regiment aufgelöst.
5.9.41: Als Vertreter für ausgefallene Ärzte kommt der Autor bei den verschiedensten Einheiten der Division herum und lernt dabei alle Waffengattungen kennen.
Angriff auf Leningrad, der wegen der russischen Übermacht zum Stillstand kommt. Hohe Verluste, 3.000 Mann Ersatz erhalten.
18.10.41: Schlechte Versorgung, junge Krähen, die sich an den Kadavern dick und fett gefressen haben, werden gegessen.
Wolchowschlacht: Unter ständigem Feuer und unter ständigen feindlichen Gegenangriffen, bei eisiger Kälte und knietiefem Schlamm, musste die Einheit dem Feind Meter für Meter in undurchdringlichem Sumpf- und Buschland entreißen. (Auf Karten im Anhang sehr gute Übersichtsdarstellungen.)
28.1.42: Der Menschennachschub der Russen ist unvorstellbar. Welle auf Welle wird niedergemäht und erst wenn die deutsche Munition ausgeht, rücken die richtigen Sturmtruppen an und überrollen die Stellung.
20.02.41: Abteilungsarzt der II. Artillerie-Abteilung. 45 km Marsch bei -20 Grad.
8.3.42: Zwei russische Divisionen werden in den gefrorenen Sümpfen eingekesselt und der Divisionspolitruk gibt die Erlaubnis zum Genuß von Menschenfleisch. Für die Russen war das aber nicht so furchtbar.
14.4.42: Die 4. SS-Polizei-Grenadier-Division ist die Hilfsdivision für die 58. Infanterie-Division, die den Kessel nicht halten kann. Die Bataillone zählen oft nur noch 25 - 30 Mann, die Regimenter 130 Mann.
Die 4. SS-Polizei-Grenadier-Division ist völlig ausgeblutet. Bei den Russen ist es nicht anders: Von den 1.000 Mann eines Regiments sind nur noch 120 übrig. Aber Menschen spielen bei ihm ja keine Rolle.
18.2.43: Zu seiner großen Winteroffensive war der Russe mit 300 neuen Divisionen und einer unheimlichen Überlegenheit an Artillerie, Munition und Panzern angetreten. Die Unterstützung der Amerikaner wirkt sich immer ärger aus. Bei uns wird immer nur geflickt.
28.4.43: Verlegung ins Protektorat (CSSR) nach Brunschau a.d. Moldau zur Auffrischung. Die Divison wird eine Panzer-Division.
Sommer 1943: Verlegung nach Griechenland, nachdem die Italiener wieder mal die Seiten gewechselt hatten. Die Engländer kamen den Griechen zu Hilfe und somit waren die Erdölfelder in Rumänien gefährdet, was Hitler zu Maßnahmen zwang. Die Engländer unterstützen in jeder Weise die griechischen Partisanen, über die der Autor so einiges zu berichten hat.
Die Kosaken wurden gegen die Partisanen eingesetzt und zeigten eine gute Kampfmoral. Über ihre Beweggründe und ihr Schicksal schreibt Pichler einiges.
Aber auch die Jugoslawen stellten eine gefährliche Front dar, nachdem eine neue deutschfeindliche Regierung mit den Russen ein Bündnis abschloß.
Frühjahr 1944: Kampf gegen die 1. Partisanendivision, die von englischen Offizieren geführt wurden. Sonst fungierte die 4. SS-Polizei-Panzer-Grenadier-Division als Besatzungsmacht in Griechenland.
Herbst 1944: Räumung von Griechenland und Verlegung nach Belgrad.
Winter 1944: Die 4. SS-Polizei-Panzer-Grenadier-Division räumt Ungarn. Durch starken Russendruck Rückzug, an der Seite tausende Volksdeutsche Flüchtlinge.
Februar 1945: Im Feuerwehreinsatz wird nach Stettin verlegt, der Russe war in Ostpreußen eingebrochen. Die Einheit gerät in den Kessel von Danzig-Gotenhafen. 2.000 Fahrzeuge fallen den Russen in die Hände, panische Flucht, ein Chaos.
25.3.45: 3 Divisionen drängen sich in den sogenannten Hexengrund (schmaler Küstenstreifen mit Steilabfall zum Meer). 4.000 Fahrzeuge, alle Pferde werden vernichtet und erschossen und die Kriegsmarine schifft die Soldaten aus.
Noch einmal werden alle Soldaten der Division zusammengekratzt und kommen am 20.4.45 bei Eberswalde zum Einsatz.
28.4.45: Pichler wird auf dem Rückzug verwundet: Rechter Ellenbogen zerschossen, Hüftgelenk zerstört. Im Flüchtlingstreck geht es nach Westen. Befreite KZ´ler wüteten, erschossen und vergewaltigten. Weitere Stationen: Kriegsgefangenlager Ratzeburg, Munsterland in der Lüneburger Heide (Hungerlager)
Februar 1946: Abtransport nach Kärnten und als Waffen-SS Angehöriger ab ins KZ-Lager Federaun bei Villach, dann Lager Weißenstein.
Nach Gefangenschaft Aufbau einer eigenen Arztpraxis.
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