Erstes Jahrbuch.
Vorwort:
Es ist viel von einem Untergang des Abendlandes die Rede gewesen. Man vergaß dabei zu bemerken, daß man vom Untergang des bürgerlichen Abendlandes sprach.
Der Verfall der deutschen Kultur ist offensichtlich. Abgesehen von der herabgeminderten Quantität der literarischen, wissenschaftlichen und journalistischen Produktion läßt sich seit langer Zeit keinerlei zu öffentlichem Allgemeingut gewordene, kulturrepräsentative Leistung feststellen.
Es soll hier nicht untersucht werden, welche Erscheinungen diesem Umstande zugrunde liegen. Es genüge die Feststellung: Die bürgerliche Kultur des heutigen Deutschland geht zugrunde, wie der deutsche Imperialismus im Weltkrieg und an den Erscheinungen der Nachkriegszeit zugrunde gegangen ist.
Der Untergang des bürgerlichen Abendlandes aber bedeutet den Aufstieg eines neuen Zeitalters, über dessen Charakter etwas auszusagen genau so lächerlich und überflüssig ist, wie mit den Landpfarrern, alten Jungfern und Eingeborenen-Missionaren über die Dreieinigkeit streiten zu wollen. Dieses Zeitalter kommt ebenso bestimmt wie es eine geschichtlich verbürgte Tatsache ist, daß in der Geschichte bestimmte gesellschaftliche Klassen zur Herrschaft gelangt sind, um dann neuen produktionsstärkeren Klassen den Platz zu räumen.
Es ist überflüssig, über die neue Zeit Philosophien aufzustellen, Utopien zu erträumen, über ihre gesellschaftlichen, künstlerischen, psychologischen Zustände zu diskutieren: diese neue Zeit muß erkämpft werden. Dem Kampf um die neue Zeit gewidmet ist dieses Jahrbuch.
Und darin besteht auch die neue, die Zeit des untergehenden Abendlandes überdauernde Kultur. Ihre Wurzeln haben sich bereits in das tägliche Leben jedes einzelnen Arbeiters, jedes einzelnen Kämpfers um die neue Zeit verfasert. Diesen Kämpfern das Bewußtsein einer tief in die Geschichte hinabreichende Tradition, eines in der ganzen Welt solidarischen Schicksals und Kampfes zu geben, das ist der Sinn des vorliegenden Buches. (Der Verlag wird übrigens voraussichtlich im Jahre 1924 eine breit angelegte Sammlung im Umfang von ungefähr 200 Einzelbändchen zu publizieren beginnen, einer Sammlung, die sich vornehmlich oben genanntes Ziel zum Thema gestellt hat. Die Sammlung wird den Titel "Die Weltliteratur der Empörung" tragen.)
Es ist üblich, daß das Jahrbuch eines Verlages einen Abriß seiner literarischen Produktion darstellt. Dieses Jahrbuch repräsentiert den Kampfwillen des Verlages, unabhängig davon, ob und in welcher Form er in seiner eigenen literarischen Produktion Niederschlag gefunden hat oder nicht.
"Platz dem Arbeiter !": das ist eine Sammlung von Tendenzen und Strömungen, die über die untergehende bürgerliche Klasse und ihre Kultur hinaus dem neuen Zeitalter, dem Zeitalter des Arbeiters den Weg freimachen helfen.
Fotomechanischer Neudruck der Orginalausgabe 1924 nach dem Exemplar der Universitätsbibliothek Leipzig.
Das Buch (Erstausgabe) ist 1982 im Zentralantiquariat Der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig erschienen.
Das Buch befindet sich in einem guten Zustand !!!
Es besteht kein Widerrufsrecht nach EU-Recht, da es sich um einen Privatverkauf handelt !!!