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Wilson, Hilary - "Hieroglyphen lesen"
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Beschreibung
Wilson, Hilary – „Hieroglyphen lesen“
Hardcover – 8,50 Euro - ISBN 3-8289-0770-9
– Gewicht 280 g
Interne Bestell-Nr.:
01682wilson
Erschienen 2001 – Erstauflage –
Lizenzausgabe Weltbild Verlag Augsburg genehmigt durch Deutscher Taschenbuch
Verlag München – aus dem Englischen übertragen von Peter E. Maier –
Originaltitel: „Underständing Hieroglyphs“ – das Buch beinhaltet die
schriftliche Aufarbeitung eines Kurses mit dem Titel „Name, Rang und Zahl im
alten Ägypten“, den die Autorin im Mai 1992 in Southampton abgehalten hat – mit
Landkarten von Peter Funnell - illustriert
Zustand des Buches: Seiten
etwas nachgedunkelt, ansonsten sehr gut, nur minimale Gebrauchsspuren
Die auf den spätesten Zeitpunkt datierten
ägyptischen Hieroglyphen wurden im Jahre 394 n.Chr. im Tempel von Philae in den
Stein gemeißelt. Zu dieser Zeit kann es nur noch relativ wenige ägyptische
Bildhauer gegeben haben, die die Zeichen, die man sie meißeln ließ, kannten
oder gar verstanden. Von 323 bis 30 v.Chr., vom Tod Alexanders des Großen bis
zur Eroberung durch Rom, herrschte über Ägypten ein Geschlecht makedonischer
Griechen, die Ptolemäer. Griechisch war die offizielle Sprache des Hofes.
Wichtige Dekrete wurden aber zweisprachig abgefasst, und bei der ägyptischen
Version trat an die Stelle der älteren hieratischen die demotische
Verwaltungsschrift, die von den Schreibern als „Schrift der Dokumente“
bezeichnet wurde und die man sogar für Inschriften in Stein einsetzte. Hieroglyphen,
die auch „Gotteswörter“ genannt wurden, verwendete man weiterhin für
monumentale Inschriften, insbesondere an den prachtvollen Tempelbauten, mit
denen die Ptolemäer bei den Ägyptern und ihren Göttern Anerkennung zu finden
versuchten. Bei der Wahl der Zeichen achtete man allerdings oft nicht so sehr
auf die überkommene Schreibweise als vielmehr auf den dekorativen Effekt. Bei
manchen Zeichen änderte sich die Bedeutung bzw. der Laut, und häufig
unterliefen Fehler, wenn die Vorlage der Schreiber mit Hammer und Meißel oder
Pinsel umgesetzt wurde. Als das Römische Reich sich schließlich auch Ägypten
einverleibt hatte, kamen griechische und römische Einwanderer ins Land. Sie
stellten, vor allem in den fruchtbaren Agrargebieten des Nordens, recht große
Bevölkerungsgruppen. Für die gewöhnlichen Ägypter bürgerte sich die Bezeichnung
Kopten ein, die auf das griechische Wort für Ägypten, Aigyptos, zurückgeht. Sie
bedienten sich natürlich weiterhin der Landessprache, aber da sie zum größten
Teil Analphabeten waren, erlebte die Schriftsprache einen raschen Niedergang.
Die Einwanderer kamen mit keiner der ägyptischen Schriften zurecht: sie
sprachen griechisch. Die ägyptische Volkssprache – das Koptische – wurde erst
in christlicher Zeit wieder geschrieben. Die koptische Schrift erlebte erst ab
dem 3. Jahrhundert n.Chr. ihren Aufschwung. Man schrieb mit Hilfe des
griechischen Alphabets und sieben Zusatzzeichen, die aus dem Demotischen
abgeleitet waren und für Laute gebraucht wurden, die im Griechischen nicht
vorkamen. Der Hieroglyphenschrift bedienten sich während der letzten Jahrhunderte
ihrer Existenz immer weniger Schreiber mit immer dürftigeren Fertigkeiten.
Bedeutende Arbeiten von Gelehrten waren griechisch geschrieben – nicht zuletzt
die um das 3. Jahrhundert entstandene Geschichte Ägyptens des ägyptischen
Priesters Manetho. Im 5. Jahrhundert n.Chr. verfasste ein anderer ägyptischer
Priester mit dem griechisch-ägyptischen Namen Hor-Apollo ein Buch, das für
viele Jahrhunderte einen sehr großen Einfluss auf die Erforschung der
Hieroglyphen haben sollte. Hor-Apollo listet Hieroglyphen auf und interpretiert
sie, hat die Schrift seiner Vorfahren aber gründlich missverstanden, was man
schon daran sieht, dass er darauf beharrt, dass jedes Zeichen eine einzige
bildidentische oder symbolische Bedeutung habe. Leider galt Hor-Apollo als
Kenner, und sein Werk diente allen, die sich nach ihm mit den Hieroglyphen
befassten, als Wegweiser. Die koptische Schrift wurde ab dem 3. Jahrhundert
n.Chr. immer bedeutsamer. Grund dafür war, dass mit dem aufkommenden
Christentum die Bibel und andere christliche Texte ins Ägyptische übersetzt
wurden. Neben den Übersetzungen wurden auch Originaltexte geschrieben, und
selbst im administrativen Bereich verdrängte die geschriebene koptische Sprache
zum Teil das Griechische.
Das Koptische überlebte sogar die arabische
Eroberung in den Jahren 639 – 642 n.Chr. und dient noch heute als Sprache der
Liturgie der christlich-orthodoxen Kirche Ägyptens. Als erster europäischer
Gelehrter identifizierte Pater Athanasius Kircher das Koptische als
Überbleibsel der Volkssprache der alten Ägypter. Seine These setzte sich jedoch
nicht durch, und seine Versuche, hieroglyphische Inschriften zu übersetzen,
fielen äußerst spekulativ, um nicht zu sagen unsinnig aus. Das Wörterbuch und
die Grammatik des Koptischen, die er veröffentlichte, weil er die Bedeutung
dieser Sprache für die Entzifferung der Hieroglyphen erkannt hatte, wurde
hingegen zum unerlässlichen Handwerkszeug aller angehenden Ägyptologen. Einer
von ihnen war Jean-François Champollion, dem es schließlich gelang, die Hieroglyphenschrift
zu entschlüsseln, und der 1923 sein „Précis du Système hiéroglyphique“
veröffentlichte. So war die Hieroglyphenschrift mehr als 1.500 Jahre lang
unlesbar gewesen. Angesichts ihres ästhetischen Reizes und ihres Gebrauchs in
unverkennbar sakralen Bauten wie den großen Tempeln, die seit Jahrhunderten
bereits europäische Touristen anzogen, verwunderte es nicht, dass man in diesen
wundervollen Bildern zahlreiche esoterische Geheimnisse vermutete. Man sah in
Ägypten einen Quell des Geheimnisvollen und Magischen. Ein gutes Beispiel dafür
ist die englische Bezeichnung der Zigeuner, ein Volk, das ebenfalls als
geheimnisvoll galt und dem man mit Misstrauen begegnete. „Gypsies“ wurden sie
genannt, was eindeutig von egyptians, Ägyptern, abzuleiten ist. Die enge
Verknüpfung alles Ägyptischen mit dem Geheimnisvollen findet man auch in der
Alchemie, der pseudowissenschaftlichen Suche nach dem Stein der Weisen, der
seinem Besitzer die Kraft verleihen sollte, unedle Metalle in Gold zu
verwandeln. Das Wort „Alchemie“ geht auf den arabischen Ausdruck „das von Kem“
zurück, und „Kemmet“ ist die altägyptische Bezeichnung für Ägypten. Folglich
verdankt auch der seriöse Abkömmling der Alchemie, die Wissenschaft Chemie,
ihren Namen, wenn auch nicht ihren Ursprung, dem alten Ägypten. Der Schlüssel
zum Verständnis der Hieroglyphenschrift wurde aus ganz verschiedenen Gründen
gesucht. Manche Philosophen hofften, eine alte, dem Vergessen anheimgefallene
Weisheit zu finden. Religiöse Gelehrte erhofften sich die Bestätigung
biblischer Geschichten und den Nachweis, das Gestalten wie Abraham, Josef und
Moses wirklich gelebt hatten. Eigennützigere Forscher glaubten, dass ihnen die
Entzifferung der Hieroglyphen das Geheimnis der Schätze der Pharaonen enthüllen
und zu unermesslichem Reichtum verhelfen würde. Nur die echtem Wissenschaftler
betrachteten die Entzifferung der Schrift als Ziel an sich, und nur sie wurden
nicht enttäuscht. Mit all ihrer dekorativen Wirkung sind Hieroglyphen eben doch
nur ein Mittel zum Aufschreiben von Wörtern. Gelegentlich haben diese Wörter
einen philosophischen, historischen oder religiösen Inhalt, meistens handelt es
sich aber um ganz einfache Texte mit sich wiederholenden Standardformeln. In
den großen Museen der Welt findet man viele großartige ägyptische Kunstwerke,
darunter auch Statuen, Reliefs und Gemälde mit Hieroglypheninschriften. Als man
sie übersetzen konnte, stellte sich heraus, dass es sich bei den am häufigsten
vorkommenden Wörtern und Wortfolgen um Namen und Titel von Göttern und Königen
handelt sowie um einfache Formeln und Gebete. Selbst bei den großartigsten
Baudenkmälern, wie in der Tempelstadt bei Karnak und den Grabbauten im Tal der
Könige, kommen in den Inschriften immer und immer wieder diese Namen und
Beinamen vor. Namen, Titel und Beifügungen, wie die teilweise aus Zahlen
bestehenden Datumsangaben, gehören zu den hieroglyphischen Inschriften, die am
leichtesten zu erkennen und häufig in den verfügbaren Inschriften zu finden
sind. Sie können als ideales Übungsfeld für Hobbyägyptologen gelten, die
Grundkenntnisse im Lesen des Ägyptischen erwerben wollen. Außerdem vermitteln
sie Hintergrundinformationen
über die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung dieser Ausdrücke und
ermöglichen neben einer einfachen Leseübung eine Annäherung an die
Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat.
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