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Schmidt, Michael - "Die deutsche Geschichte Band 4"
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(bis 30. Mai. 2012, 13:50:36 MEZ) | |
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Beschreibung
Schmidt, Michael – „Die deutsche Geschichte Band 4 – 1945
bis 2000“
Hardcover – 8,00 Euro - ISBN 3-8289-0413-0
– Gewicht 790 g
Interne Bestell-Nr.:
00944-4schmidt
Erschienen 2001 – Neuauflage –
Lizenzausgabe Weltbild Verlag Augsburg – basierend auf dem Begleitmaterial zu
einer 1989 erschienenen Fernsehreihe zur deutschen Geschichte des
Wissenschaftsjournalisten Rüdiger Proske – erweitert um die neuesten Kapitel
der deutschen Geschichte
Zustand des Buches: wie neu,
wurde nie gelesen
Theodor Heuss, ein Kind des Kaiserreiches und
Mann der Weimarer Republik, der 1949 mit 65 Jahren erster deutscher
Bundespräsident wurde, hat einmal seine Trauer über das Schicksal der Deutschen
in den Gedanken gefasst, dass mit dem Aufstieg und Fall des Dritten Reiches und
der deutschen Teilung „die deutsche Geschichtsmelodie zerbrochen“ sei. Nun,
nachdem Deutschland wiedervereinigt und souverän ist, hebt seine
Geschichtsmelodie wieder an. Nach der bedingungslosen Kapitulation im Jahre
1945 wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die alliierten
Sieger übernahmen die Regierungsgewalt. Während man in den westlichen
Besatzungszonen Schritt für Schritt die politischen und organisatorischen
Vorbereitungen zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland traf, wurde in der sowjetischen
Zone unter Kontrolle der Sowjets von den ostdeutschen SED-Funktionären Zug um
Zug die Errichtung der Deutschen Demokratischen Republik eingeleitet. Die
Teilung der Welt in Ost und West ging mitten durch Deutschland. Konrad
Adenauer, der erste Kanzler der 1949 gegründeten Bundesrepublik, suchte die
Freundschaft Amerikas und die Aussöhnung mit Frankreich. Im Rahmen der NATO
erklärte sich die Bundesrepublik Deutschland auch bereit, mit eigenen
Streitkräften für die Verteidigung des Westens einzutreten. Innenpolitisch fand
Adenauer in Ludwig Erhard den Mann einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik.
Erhards soziale Marktwirtschaft führte zum vielgerühmten „Wirtschaftswunder“.
Mit der Gründung der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) im Jahre 1955 wurde
der erste große Schritt zur Vereinigung Europas getan. Als Gegenstück zur EWG
organisierten sich die Staaten des Ostblocks zum COMECON. Von vornherein hatte
die DDR keine andere Chance gehabt, als sich den innen- und außenpolitischen
Wünschen Moskaus zu fügen. Unter Walter Ulbricht wurden Landwirtschaft, Handel
und Industrie verstaatlicht. Die DDR gliederte sich folgerichtig dem
militärischen Bündnissystem des Warschauer Pakts ein. Trotz dieser weltweiten
Spannung zwischen Ost und West, die 1961 bis 1989 in der Berliner Mauer ihren
sichtbaren Ausdruck gefunden hat, sahen sich die beiden Führungsmächte
Sowjetunion und USA seit den sechziger Jahren zunehmend zu einer Zusammenarbeit
gezwungen. Im Rahmen dieser größeren Entspannungspolitik ist auch das Bemühen
von Bundeskanzler Willy Brandt zu sehen, nach der Aussöhnung mit dem Westen
auch den Brückenschlag zum Osten zu suchen. Historisch betrachtet waren Brandts
„Ostverträge“ die notwendige Ergänzung zu Adenauers „Westverträgen“. Beides
zusammen erst rundete das Bild Deutschlands nach 1945. Das Vertrauen des
Auslands in den Friedenswillen der Deutschen wuchs. Das Nobelkomitee in Oslo
ehrte Willy Brandt dafür 1971 mit dem Friedensnobelpreis. Die Anerkennung der
deutschen Zweistaatlichkeit im Grundlagenvertrag (1972) bedeutete einen
Abschied von Illusionen. Damit war in der politischen Philosophie Brandts nicht
die „Illusion“ der Wiedervereinigung gemeint, sondern die Illusion, die
Wiedervereinigung durch Sprachlosigkeit und Abschottung zu erreichen. Brandt wollte
dem SED-Regime praktische, spürbare Erleichterungen für die Menschen im
geteilten Deutschland und im geteilten Berlin abhandeln, um Begegnungen zu
fördern und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen zu stärken – also, um
die Nation zu wahren. Die Geschichte hat Brandts Konzept mit der
Wiedervereinigung Deutschlands zwei Jahrzehnte nach seinen ostpolitischen
Vorstößen glanzvoll bestätigt.
Zur Überraschung mancher Beobachter setzte
die Regierung Kohl/Genscher die Ost- und Deutschlandpolitik der Vorgängerregierungen
Brandt/Scheel (1969 – 1974) und Schmidt/Genscher (1974 – 1982) nahtlos fort.
Dabei entwickelte sich die weltpolitische „Großwetterlage“ zunehmend günstig.
Der Abbau der Konfrontation zwischen den Supermächten USA und UdSSR und den
beiden großen politisch-militärischen Blöcken insgesamt machte in den späten
achtziger Jahren erstaunliche Fortschritte. Die bahnbrechenden
Abrüstungsinitiativen Gorbatschows, seit 1985 Generalsekretär der KPdSU und
seit 1989 auch Staatsoberhaupt der Sowjetunion waren von ursächlicher Bedeutung
für diese Entwicklung. Im Oktober 1989 gab Gorbatschow bei seinem Besuch
anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung der DDR in Ost-Berlin mit den
Worten „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ das Aufbruchsignal für die
Opposition in der DDR. Die Demonstrationen von Hunderttausenden von Menschen,
die von der SED überstürzt mit einem Wechsel der Führungsspitze und Zusagen für
innere Reformen beantwortet wurden, wuchsen sich zu einer „friedlichen
Revolution“ aus; der Ruf „Wir sind das Volk“ fegte erst Erich Honecker und
seine Mafia hinweg, bald auch den kraftlosen Nachfolger. Beim Treffen
Gorbatschows mit Bundeskanzler Kohl und Außenminister Genscher im Kaukasus im
Juli 1990 wurden die letzten außenpolitischen Hürden auf dem Weg der
Wiedervereinigung Deutschlands genommen. Am 3. Oktober wurde die alte DDR in
Form eines Beitritts der neuen fünf Bundesländer, zurückgeführt auf die Form,
die sie bis 1952 gehabt hatten, ein Teil der Bundesrepublik, der NATO und der
Europäischen Gemeinschaft. Dem vereinten Deutschland waren für die letzten
Jahre des 20. Jahrhunderts zwei Grundthemen vorgegeben: der Prozess der inneren
Wiedervereinigung der Deutschen in den alten und den neuen Bundesländern sowie
die Erlernung des richtigen Umgangs mit dem immensen Machtzuwachs, der
gestiegenen europäischen und weltpolitischen Verantwortung, die Deutschland
tragen muss, wenn seine Wiedervereinigung zugleich ein Kapitel in der
Geschichte der Einigung Europas sein soll. Denn jene Präambel des Grundgesetzes,
die die Deutschen von der Gründung der Bundesrepublik an zur Einheit ermahnt
hat und die nun erfüllte Geschichte ist, enthält auch den Hinweis auf Europa.
Er bleibt den Deutschen besondere Verpflichtung.
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