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van der Kemp, Gerald - "Versailles"

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Beschreibung

van der Kemp, Gerald – „Versailles – Das Schloss, der Park, die Trianonschlösser“

Hardcover - 8,00 Euro - ISBN keine – Gewicht 600 g

 

Interne Bestell-Nr.: 00882vanderkemp

 

Erschienen 1976 – Erstauflage – deutsche Originalausgabe Éditions d'Art LYS Versailles – aus dem Französischen übertragen von Studienrat C. Boisserie und seinem Assistenten W. Ziegler – mit 163 Farbaufnahmen von Jacques Girard und Jean-Claude Varga – Vorspanngestaltung von F. Bailly

 

Zustand des Buches: sehr gut, nur ganz minimale Lagerungsspuren

 

Das Schloss Versailles war die Residenz der französischen Könige. Der barocke Palast liegt in Versailles, einem Vorort von Paris. Gebaut als Jagdschloss für Ludwig XIII. durch Philibert Le Roy wurde es ab 1661 unter Ludwig XIV. durch Louis Le Vau, François d'Orbay, Jules Hardouin-Mansart und Robert de Cotte um- und ausgebaut und war bis zur französischen Revolution fast ständig bewohnt. Die Innenausstattung schuf Charles Le Brun, die berühmten Gartenanlagen stammen von André Le Nôtre. Das Schloss war ab dem 17. Jahrhundert lange Zeit das Vorbild zahlreicher Schlösser europäischer Fürsten und Könige. Seit 1979 ist es Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Frankreich war im 17. Jahrhundert der mächtigste Staat Europas und unter dem Wirken des Sonnenkönigs zum kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Zentrum des Kontinents geworden. Das Schloss des Königs war ein Ausdruck der Leistungsfähigkeit Frankreichs und ein Symbol seiner Größe und Stärke. Die geordnete Natur der Parkanlagen sollte ein Spiegelbild der Ordnung sein, die Ludwig dem Land brachte. Obwohl Ludwig XIV. einer der größten Bauherren in der Pariser Geschichte war, schätzte er Paris als Residenz nur wenig. Er liebte weite Flächen und bevorzugte daher besonders das kleine Jagdschloss seines Vaters. Dort konnte er einen angemessen repräsentativen und weitläufigen neuen Palast erbauen, der so im engen Paris völlig undenkbar gewesen wäre. Sein Entschluss, den Hof 1682 aus dem Louvre und dem Tuilerienpalast hierher zu verlegen, sollte Frankreichs Geschichte für viele Jahre prägen. Hier entwickelte er den Regierungsstil, den man später als Absolutismus bezeichnete. Ludwig XIV. wollte weitere Aufstände wie die Fronde verhindern, indem er den Adel um sich scharte und ihn streng überwachen ließ. Er schnitt die Aristokratie von ihrer alten Aufgabe der Provinzverwaltung ab und setzte Beamte dafür ein. Eine mögliche Opposition aus der Ferne gegen ihn, wie sie zum Beispiel seinem Vater widerfuhr, war somit kaum noch möglich. Die Angehörigen des Adels wurden, wenn nötig, jeder Privilegien beraubt und gleichzeitig mit kostbaren Geschenken und prunkvollen Festen gefügig gemacht. Für die französische Gesellschaft bedeutete der Wandel des Zweiten Standes vom Land- zum Hofadel auf Dauer eine schwere Belastung. Von ihren alten Pflichten und Aufgaben weitgehend entbunden, fristete die Aristokratie bald ein dekadentes Dasein. Während der Dritte Stand die Steuerlast und die Arbeit zu tragen hatte, konnte ? beziehungsweise musste ? sich der Adel dem Müßiggang hingeben.

 

Dieser Umstand sollte über hundert Jahre später einer der Auslöser der Französischen Revolution werden. Um auf der Höhe der Zeit zu sein, den neuesten Moden folgen zu können und um Feste und Jagden zu veranstalten, verschuldeten sich die Aristokraten oder erhielten willkürliche Renten vom König. Der einst mächtige Hochadel Frankreichs verließ bereitwillig seine Schlösser in den Provinzen. Nur wenige etablierten dauerhaft eigene Hofgesellschaften. Um in der Nähe des Herrschers zu sein, besuchten die Mitglieder des Adels nur noch selten ihre angestammten Grafschaften und Herzogtümer, und so mancher junge Herzog bekam sein mit dem Titel ererbtes Stammland gar nicht mehr zu Gesicht. Lediglich bei Hofe konnte man Posten, Titel und Ämter erhalten, und wer sich vom Sonnenkönig entfernte, lief Gefahr, Vorrechte und Rang zu verlieren. Schon die beiläufige Bemerkung des Königs, man möge sich einige Zeit aufs Land zurückziehen, konnte den gesellschaftlichen Untergang bedeuten. Aus diesem Grund hielt sich die Aristokratie so gut wie ständig um ihren König auf und versuchte, ihm zu gefallen. Das sorgte dafür, dass zeitweise mehrere Tausend Menschen zugleich das Schloss bewohnten. Dieses war eine eigene Stadt unter einem Dach, mit Wohnungen, Arbeitsräumen und Vergnügungsstätten. Auf den Gängen und Höfen ließen sich Händler nieder. Das Schloss war fast ständig überbelegt und die Aristokratie, so sie nicht zur königlichen Familie gehörte, war zum Teil verarmt und hauste sogar in engen Dachkammern. Victor Hugo bezeichnete das Gebäude später als eine einzige Höflingskaserne. Unter den Nachfolgern des Sonnenkönigs verlor Versailles seine umfassende zentralistische Bedeutung und die Gesellschaft traf sich nun zunehmend auch wieder in den Landschlössern des Adels oder den Pariser Hôtels. Dennoch residierten auch Ludwig XV. und Ludwig XVI. in Versailles, so dass das Schloss ab 1682 nur mit kurzen Unterbrechungen fast ständig von der Königsfamilie bewohnt war.

 

Obwohl öfter Ausflüge in die vielen weiteren Schlösser rund um Paris unternommen wurden, blieb Versailles immer Regierungssitz und Mittelpunkt des höfischen Frankreichs. Lediglich nach dem Tode Ludwig XIV. 1715 und der Regentschaft Philipp II. im Namen von Ludwig XV., der zu dieser Zeit noch ein Kind war, verließ der Hof den riesigen Palast und begab sich vorübergehend nach Saint-Cloud. Der Palast war nicht allein dem Adel vorbehalten: In die Räume des Schlosses hatte selbst das gewöhnliche Volk Zutritt, das hoffte, hier einen Blick auf den Hochadel erhaschen und ein Almosen empfangen zu können. Zudem wurde es an ausgewählten Tagen bis in die Speisesäle vorgelassen, um dem König beim Diner zuschauen zu können. Selbst gewöhnliche Mahlzeiten wurden vor Publikum eingenommen und auch die Niederkünfte der Königinnen waren öffentliche Ereignisse ? so sehr, dass Marie-Antoinette während der Geburt des Thronfolgers in Lebensgefahr geriet, als sich zu viele Menschen in ihrem Schlafzimmer aufhielten. Das Schloss Versailles ist ein Ort der Geschichte. Im Palast wurden Prinzen geboren, hier starben Könige und Königinnen. Botschafter aus allen europäischen Ländern und sogar Delegationen aus Siam, Persien sowie Indianer aus den Französischen Kolonien in Amerika wurden empfangen. Die berühmtesten Menschen ihrer Zeit gingen ein und aus. 1757 verübte Damiens hier ein Attentat auf Ludwig XV. (und wurde dafür gevierteilt), 1763 gastierte der junge Mozart im Schloss. Am 21. November 1783 starteten die Brüder Montgolfier einer ihre Montgolfièren vor den Augen des Königspaars und mehrerer tausend Schaulustiger. Dies war das erste Mal in der Geschichte, dass Menschen sich in die Luft erhoben und den Erdboden verließen.

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