10820202544
Irina Korschunow
Glück hat seinen Preis
Roman
Hoffmann und Campe Verlag, 1983
ISBN 3-455-04006-3
Gebundene Ausgabe, 285 Seite
Zustand des Buches: Akzeptabel (die ersten drei Blätter sind lose; auf Seite 1 ist handschriftlich ein Name)
Zum Inhalt:
"Glück hat seinen Preis" ist ein Familienroman über einen Zeitraum von hundert Jahren. Die Chronistin, die sich immer wieder in den Lauf der Geschichte einschaltet, ist das jüngste Glied in der Kette von drei Generationen. Sie ist Mitte vierzig, als ihre Mutter Christine stirbt und ihre letzten Worte voll Trauer sind über die unerfüllt gebliebenen Lebensträume. Anhand alter Fotos und Erinnerungen holt die Tochter die Vergangenheit der Familie hervor, denkt sie hinter der Geschichte ihrer Mutter her und macht sie zu ihrer eibenen Geschichte. "Schicksal ist nicht nur, was kommt, Schicksal ist auch, was man tut", ruft sie auf halbem Wege ihrer Spurensuche den Frauen, die ihr begegnen, zu, als könnte sie ihnen damit im nachhinein Mut machen zum Anspruch auf Glück.
Alles nimmt seinen Anfang im Jahr 1887, an einem windigen Märzmorgen, als Großvater Johann Peersen, jung, blond und ohne Angst, in Kiel an Land Geht. Viertausendachthundert Goldmark hat er dabei und Pläne zum Häuserbauen und ein gewinnendes Lächeln, wenn es nottut, und den festen Willen, von unten nach oben zu kommen, reich zu werden und glücklich dazu. Er ist Realist, er wird es schaffen, weil seine Träume aufs Durchführbare zielen.
Frieda Ossenbrück, die er heiratet gegen drei Hektar Land, erfüllt ihm den Traum vom Häuserbauen, und Großmutter Marie erfüllt ihm den Traum vom Häuserbauen, und Großmutter Marie erfüllt ihm den Traum vom Glück. Aber er hat sie alle untergebuttert, der Großvater Peersen, obwohl er Würde hat und Flair. Frieda ließ er kein Quentchen Illusion von Liebe bis zum Schluß, und Großmutter Marie hat seine egoistische Zärtlichkeit dreizehn Kinder eingebracht und einen vorhersehbaren frühen Tod. Dann hat er die nächste Generation vereinnahmt, die älteste Tochter Christine hineinbefohlen in den Dienst seiner Bedürfnisse, bis sie nach den Ritualen der damaligen Zeit mit dreiundzwanzig zu alt war, um dem Schicksal, das kam, noch eigene Wünsche entgegenzusetzen. Und schließlich gab diese die Forderung nach Einordnung an das letzte Glied in der Schicksalskette weiter, an ihre Tochter, die Chronistin, die nun, als sie am Ende der Geschichteangekommen ist, das Muster durchschaut und ihrem eigenen Leben eine Wende gibt.
So lebensprall wie die Menschen dieses Romans, so authentisch sind auch die Schauplätze der Handlung und der zeitgeschichtliche Hintergrund - das alte Kiel der Gründerzeit, Stendal in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, die deutsche Nachkriegsprovinz in Göttingen.
Irina Korschunow erzählt ihre Geschichte vom Aufstieg und Verfall einer Familie, in der die kunstvolle Erzähltechnik den epischen Fluß nicht aufhält und die sich rasch und unaufdringlich auch als moderner Frauenroman entpuppt, mit dem Humor, den ihr der Alltag liefert, und der Stärke eines Gefühls, die aus der Liebe zum Menschen kommt. Endlich wieder ein Roman, der beweist, das Literatur auch spannend und unterhaltsam sein darf, so wie das Leben selbst.