JULIANE ROH
ALTES SPIELZEUG AUF DAS SCHÖNSTE GEMACHT
FARBAUFNAHMEN VON CLAUS HANSMANN
sehr sehr guter Zustand
VOM SPIELENDEN KINDE
»Spiel ist die höchste Stufe der Kindesentwicklung. Die Quellen alles Guten gehen aus ihm hervor; ein Kind, welches tüchtig, selbsttätig still, ausdauernd bis zur körperlichen Ermüdung spielt, wird gewiß auch ein tüchtiger, stiller, ausdauernder, Fremd- und Eigenwohl mit Aufopferung befördernder Mensch.« Diese zärtliche, beinahe fromme Bewunderung, die Friedrich Fröbel dein spielenden Kinde entgegenbringt, war i8z6, da er diese Erziehungsgedanken niederschrieb,
den Eltern noch keineswegs selbstverständlich. Jahrhundertelang hatte man im Kind nur eine unvollkommene Vorstufe des Erwachsenen gesehen, und alle Pädagogik war darauf gerichtet, es möglichst bald zu einem nützlichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu machen. Sein elementarer Spieldrang war zwar nicht aus der Welt zu schaffen, man bemühte sich aber, ihn möglichst bald im Dienst des Lernens auszubeuten. Gefördert wurden vor allem der Erkenntnisdrang und das schon früh auftretende Streben des Kindes, sich nützlich zu machen.
Rousseau war der erste, der seinen Zeitgenossen zurief: »Ihr seid beunruhigt, zu sehen, wie das Kind seine ersten Jahre mit Nichtstun verbringt! Wieso? Ist das nichts, glücklich zu sein? Ist das nichts, den ganzen Tag lang zu springen, zu spielen, zu laufen? Sein Leben lang wird es nicht wieder so beschäftigt sein. . .« Diese Mahnungen lösten eine Welle reformerischer Ideen aus. 1787 meinte der Pädagoge E. Ch. Trapp, es scheine, »daß diejenigen sich wohl irren könnten, die den Hang der Kinder zum Spielen auf Rechnung des natürlichen Verderben: oder der Einblasung des böse,, Feindes setzen. .
Bedenkt man, welcher Überredungskünste es bedurfte, um den Zeitgenossen die Notwendigkeit der kindlichen Spielfreude plausibel zu machen, so muß man sich eigentlich wundern, daß es trotz dieser Einstellung so viel gutes, kindertümliches Spielzeug gab, ja daß wir uns hier im selben Zeitraum auf einem künstlerischen Höhepunkt befinden. Gerade das Kleinkind, mit dem man »theoretisch« noch so wenig anfangen konnte, erhielt im 18. Jahrhundert die ihm gemäßen Spielsachen, sozusagen hintenherum und gegen die spielfeindliche Einstellung asketischer Frömmler. Der gesunde Instinkt der Mütter behielt hier die Oberhand, die ihre Kleinen auch beglücken und nicht nur erziehen wollten. Ihnen fiel nun im bäuerlichen Holzspielzeug genau das Richtige in die Hände. Wenn sie einen Besen oder Kochlöffel kauften, ließen sie wohl auch ein Pferdchen,…………………
Für liebenswürdige Hilfe bei den Aufnahmen
und fachliche Hinweise
sei folgenden Museen und ihren Sachwaltern herzlich gedankt::
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg,
Frl. Dr. von Wilckens, Herrn Dr. Stafski, Frl. Raum.
Bayerisches Nationalmuseum, München,
Herrn Dr. Döderlein.
Münchener Stadtmuseum, München,
Herrn Dr. Heiß.
Heimatmuseum Berchtesgaden,
Herrn Architekt Georg Zimmermann.
® 1958 Bruckma,m KG, München
Verlagrnummer 1045. Prinied in Germany.
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