Ich sammle seit 25 Jahren CDs und muss seit einiger Zeit aus Platzgründen meine Sammlung verkleinern. Folgendes Angebot aus meiner Privatsammlung :
2 x Metalcore / Mathcore CDs
1. Apiary - Lost in focus / 2006 / 13 tracks
2. Candiria - 300 Percent density / 11 tracks
Sind alles PR-CDs im Cardsleeve / Guter Zustand !
1. APIARY: Lost in Focus
Die neueste Sensation aus dem Hause Metal Blade fröhnt selbstverständlich mal wieder moderneren Klängen und drischt sich die Seele aus dem Leib. Metalcore? Ein wenig vielleicht, kaum der Rede wert. Hauptsächlich jedoch viel Noise, Neo Thrash-Riffing und brutale Scheiße. Der Albumtitel "Lost in Focus" passt hier wie die Faust aufs Auge. Der Versuch, all das zu komprimieren und homogen wirken zu lassen, ist nicht zwangsweise von Erfolg gekrönt, APIARY verlieren sich gerne darin und heraus kommt ein sehr gleichförmiger Erstling.
Auf Teufel komm raus wollten sie eigenständig wirken und gerade daran scheitern die fünf Kalifornier. Dabei ist das Album ein sehr deutlicher Mix aus FEAR FACTORY, THE DILLINGER ESCAPE PLAN, MESHUGGAH und UNSANE. Und gerade dieses Quäntchen Noise, es rettet den Genuss dieser Scheibe gerade so. Denn die dissonanten Leadgitarren in "Bliss in Vain" beispielsweise becircen mich jedes Mal aufs Neue. Dadurch wirkt die recht unspektakuläre Mischung frisch. Moment: Bei den oben genannten Referenzbands von "unspektakulär" zu sprechen - ich glaube dafür muss ich mich rechtfertigen. Denn es mag technisch sehr hochwertig sein, was APIARY präsentieren, aber irgendwie bleiben sie die meiste Zeit im Midtempobereich kleben, der öde - trotz der teils sehr interessanten Rhythmik - wirkt.
Deshalb rauscht "Lost in Focus" auch am Hörer vorbei, kurz und schmerzlos. Kompakt und kurzweilig ist die Dreiviertelstunde auf jeden Fall, jedoch hat man nicht das Gefühl, soeben Zeuge der neuen Revolution geworden zu sein, von der das Label spricht. Schade, aber mich hätte es auch gewundert, würde dieses Album die Welt verändern. Unterm Strich bleibt eine planlose, mächtig fett produzierte und gut aufgemachte Scheibe, die mit einigen guten Songs und stellenweise frischen Ideen punkten kann. Dennoch braucht man sich das Debütalbum von APIARY nicht aneignen, wenn man von der Band nach dem ersten Eindruck nicht wirklich überzeugt ist - er bessert sich auch nach zehnmal Hören nicht mehr. Alles in allem denke ich, dass sich das Quintett sicherlich noch gut verbessern wird, und das ist auch nötig, damit sie nicht gnadenlos in der Schwemme an Veröffentlichungen untergehen. Und das wäre irgendwie schade für die sympathisch wirkende Band.
Veröffentlichungstermin: 5. Mai 2006
Spielzeit: 44:29 Min.
Line-Up:
Jason Ingram - vocals
Peter Layman - guitars
Mike McClatchey - guitars
Dave Small - bass
Adam Elliott - drums
Produziert von APIARY
Tracklist:
1. Pain is the Reaction
2. Descent
3. Extract
4. Omnipresence
5. Intervention
6. Bliss in Vain
7. Forced to Breathe
8. Lustrum
9. Peril´s Divinity
10. Solidified Foundation
11. Fading Imprint
12. These Walls Are Permanent
13. Finding a Way Back
| 2. CANDIRIA - 300 Percent Density |
Crossover 11 Songs (64:03)
Was zur Hölle ist das? Das mittlerweile vierte Tonstück dieser Band aus Brooklyn (!) peitscht einem mit schier undrosselbarer Aggression und gleichzeitig mit einer liebevollen Verspieltheit ein Soundbrett um die Ohren, das in dieser Mischung wahrlich seinesgleichen suchen dürfte. Gleichsam mischen sich Jazz-Elemente (oft ganze Einlagen) zwischen die dominierende metallene Härte, dann herrscht einen ganzen Song lang wieder der pure amerikanische Hip-Hop vor oder wird alsbald ergänzt durch erneuten Ausbruch von Instrumental und Gesang - Gesang? Nein, eher ein verzerrtes Kreischen, ein Refuse-ähnliches Erbeben der stimmlichen Gefüge von Vokalist Carley Coma. Außerordentlich progressiv agiert der Herr hinterm Drumkit, mit Kapiteln wie dem gewöhnlichen 4/4-Takt scheinen Menschen wie dieser schon vor einigen Semestern abgeschlossen zu haben... Das mag einerseits von musikalischer Fähigkeit zeugen, nur wirken die Stücke dadurch leider oft zerrissen, ohne wirklichen roten Faden, zumal sowas wie ein Refrain relativ selten anzutreffen ist. Zusätzlich stören einmal mehr seltsame Experimental-Tracks den Fluss der CD. Die Kreuzung jedoch des ohnedies schon imposanten Suds mit reinem Jazz gelingt der Band in nahezu überwältigender Weise - nahezu logisch erscheint beispielsweise die Verzahnung von entspannt gedudeltem Jazz und der folgenden Übernahme durch das übermäßig aggressive Gitarrenbrett - welches aber die fricklige Masche aufnimmt und beibehält. Diese musikalische Genialität wird wiederum mit urbanem Harlem-HipHop domestiziert, was die Gesamtheit dann entgültig beispiellos werden lässt. Ein ungewöhliches Glanzlicht des Albums bildet ferner der gut 11-minütige Hidden Track, eine tempofreie Odysse durch sphärische Klangwelten - oder auch nur Beischlaf-Soundtrack vom Feinsten. Diese Scheibe ist schlussendlich den Freunden brachialer Geräusch-Eruptionen ebenso zu empfehlen wie der frickel-verliebten Musikergemeinde - allen jedoch sei ein wenig Toleranz zu durchgängig ausgefallener Rhythmik ans Herz gelegt.
Punkte: 8/10 |
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