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Chr. Morgenstern : Galgenlieder ( 1916 )

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Beschreibung
Verlag Bruno Cassirer 1916, Original kartoniert in privater fester Bindung, 74 Seiten, grob strukturiertes, geschöpftes Papier
Vorsatzblätter mit verschiedenen Sütterlin-Eintragungen
Galgenlieder nebst dem ¡Gingganz¡ mit einer Deckelzeichnung von Karl Walser.

Geboren wurde Christian Morgenstern am 6. Mai 1871 in München. Vater wie Mutter entstammten Malerfamilien, der Vater Carl Ernst Morgenstern war Landschaftsmaler, der mit seiner Staffelei ein unruhiges Wanderleben führte. Die Familie wohnte in München, die Sommermonate wurden regelmäßig in oberbayerischen Gebirgsorten verbracht. Morgenstern kam in den Genuß eines sehr unregelmäßigen, unvollkommenen Schul- und Privatunterrichts. Das Rastlose, Unstete seiner späteren Jahre lag hier bereits vorgezeichnet. Und noch anderes: 1881 starb seine Mutter Charlotte an einem Lungenleiden, das er von ihr erben und das sein Leben mit einer langen Folge von Sanatoriumsaufenthalten überschatten sollte.
Nach dem Tod der Mutter schickte ihn der Vater zu seinem Patenonkel Arnold Otto Meyer nach Hamburg, später in ein Internat in Landshut. 1882 verheiratete sich der Vater erneut, 1883 wurde er als Professor an die Königliche Kunstschule in Breslau berufen, wohin 1884 Morgenstern nachfolgte.
Von 1885 bis 1889 besuchte Morgenstern das Maria-Magdalena-Gymnasium in Breslau, wo er 1889 Friedrich Kayßler kennenlernte. Eine halbjährige Unterbrechung erfuhr die Schulausbildung 1889/90; Morgenstern sollte nach dem Willen des Vaters die Offizierslaufbahn einschlagen, doch bald schon merkte er, daß er dafür völlig ungeeignet war. 1892 absolvierte er schließlich die Abschlußprüfung am Gymnasium in Sorau und nahm im gleichen Jahr in Breslau das Studium der Nationalökonomie auf (wobei Felix Dahn zu seinen Lehrern zählte).
Zu schreiben hatte er längst begonnen, kleinere Satiren, scherzhafte Verse, Gedichte, 1893 entstand Sansara, eine humoristische Studie, die um die Idee der Wiedergeburt kreist. Das Studium allerdings sollte er nicht beenden. Während seines Aufenthaltes in München (Sommersemester 1893, zusammen mit Kayßler) erkrankte Morgenstern schwer; im schlesischen Bad Reinerz schloß sich eine lange Erholungszeit an. Der Vater, der sich mittlerweile von seiner zweiten Frau getrennt und ein drittes Mal geheiratet hatte, wollte die Kosten für das Studium nicht mehr übernehmen; Hilfe von Freunden, die finanzielle Unterstützung anboten, lehnte dieser ab. 1895 kam es endgültig zum Bruch zwischen ihm und seinem Sohn.
Morgenstern war zu dieser Zeit bereits in Berlin, wo er ständiger Mitarbeiter an der Täglichen Rundschau und der Freien Bühne wurde. 1895 erschien In Phanta's Schloß, seine erste Buchveröffentlichung, die er »humoristisch-phantastische Dichtungen« nannte. Zwei Jahre später kam Horatius travestitus heraus, ein Zyklus von 18 satirischen Oden. Daneben beschäftigte er sich mit der Konzeption eines Weltkoboldes eines göttlich-allmächtigen Gauklers und Schelmes, zu dessen narrenhaften Zeitvertreib die Welt dient ,der nie beendet wurde; es blieb bei der Konzeption.
Einen Einschnitt und Hintanstellung eigener Werke stellen die Jahre 1897 bis 1903 dar; der S. Fischer Verlag beauftragte Morgenstern, die Gedichte und Versdramen Henrik Ibsens zu übersetzen (wofür Morgenstern erst Norwegisch lernen mußte). Bei einer Reise nach Kristiania (Oslo) 1898/99 lernte er den Dichter selbst kennen, der sich später von Morgensterns Arbeiten tief beeindruckt zeigte. Bis 1903 übertrug er Das Fest auf Solhaug, Peer Gynt, Catilina, Wenn wir Toten erwachen, Brand, die Komödie der Liebe und Gedichte ins Deutsche.
An eigenen Werken erschienen: 1898 Ich und die Welt, 1900 Ein Sommer und 1902 Und aber ründet sich ein Kranz.
Im September 1900 wurde ein bis ins Frühjahr 1901 dauernder Kuraufenthalt in Davos nötig, während dessen zum ersten Mal die Galgenlieder erwähnt wurden. Trotz seines Lungenleidens und der Beschwerden, die ständig präsent waren, hielt es Morgenstern niemals lange an einem Ort. Von Davos aus ging es an den Vierwaldstätter See, von dort nach Wolfenschießen, den Winter verbrachte er in Arosa. Im März 1902 reiste er über Zürich, Mailand und Rapallo nach Portofino, im Mai war er in Florenz und kehrte über Mailand nach Zürich zurück, von wo er Fahrten nach Wolfenschießen und Heidelberg unternahm. Im Dezember 1902 reiste er nach Rom. Im März 1903 hielt er sich in Fiesole bei Florenz auf, bevor er im Mai wieder nach Berlin zurückkehrte, wo Bruno Cassirer ihm eine Lektorstelle angeboten hatte.
Im Sommer 1905 erschienen bei Cassirer die Galgenlieder, die ein sofortiger Erfolg wurden; bereits 1906 folgte eine zweite, 1908 eine dritte Auflage. 1910 kam Palmström hinzu, die beiden anderen Bände, die die Galgenlieder vermehrten, Palma Kunkel und Der Gingganz, erschienen erst nach Morgensterns Tod, 1916 und 1919.
Auch 1905 mußte Morgenstern seiner Krankheit Tribut zollen; ein Aufenthalt auf Föhr sollte seine Gesundheit stärken, vergebens, im Winter mußte er sich in ein Sanatorium in Birkenwerder bei Berlin begeben. In diese Zeit –Morgenstern war 35 Jahre alt fiel seine Hinwendung zur Mystik. Er begann das Tagebuch eines Mystikers, dessen Sinnsprüche, Aphorismen, Notizen und Verse erst 1918 im Band Stufen veröffentlicht wurden.
1906 kam, ebenfalls bei Cassirer, der lyrische Band Melancholie heraus. Und wieder Reisen, die Unrast und die ständige Suche nach einem Ort, der seiner Gesundheit zuträglich schien: Tirol, Meran-Obermais, 1907 San Vigilio am Gardasee, die Schweiz, 1908 Berlin, dann im Sommer nach Bad Dreikirchen bei Meran, wo Morgenstern Margareta Gosebruch von Liechtenstern kennen- und lieben lernte. Bereits im Oktober waren sie, sehr zum Unwillen der Eltern, verlobt.
Durch Margareta lernte Morgenstern die Anthroposophie Rudolf Steiners kennen, 1909 hörte er Vorträge Steiners in Berlin, Düsseldorf und Koblenz, im Mai 1909 trat er als Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft bei. Was nun folgte, ist eine lange Abfolge von Reisen zu den Vorträgen Steiners, unterbrochen nur durch Sanatoriumsaufenthalte, die seine sich ständig verschlimmernde Krankheit notwendig machte; 1909: Kristiania, Budapest, Kassel, der Schwarzwald, Wolfshau im Riesengebirge, wo er seinen Vater besuchte, dann München und Meran-Obermais.
1910 erfolgte die Heirat mit Margareta in Obermais; anschließend: Bad Dürenstein, Bern, München, Verona, Mailand, Genua, Palermo und Taormina, wo Morgenstern schwer erkrankte. Im Frühjahr 1911 erst konnte er nach Rom weiterreisen, wo er im Deutschen Krankenhaus behandelt wurde. Es folgten Sanatoriumsaufenthalte in Arosa und Davos.
Im Oktober 1912 traf er in Zürich mit Steiner zusammen, danach wieder nach Arosa. Im Frühjahr 1913 in Portorose an der Adria, später Reisen nach Bad Reichenhall und München. Im Dezember nahm er in Leipzig an einer Vortragsreihe Steiners teil und erlebte eine Lesung seiner Werke durch Marie von Sivers. Morgenstern selbst, der nur noch flüstern konnte, war dazu nicht mehr in der Lage.
Und doch: auch jetzt noch, welcher Mut und welche Lust am Leben. So schwer sein Leiden auch auf ihm lastete und so sehr es ihn beeinträchtigte, niemals hatte er ihm zugestanden, sich von ihm überwältigen zu lassen. Noch in seinem letzten Brief schrieb er:
Gewiß, ich bin seit zwanzig Jahren leidend [...], aber, so paradox es klingen mag, es sträubt sich alles in mir, von irgend jemandem als krank empfunden zu werden. Denn ein Gefühl wirklichen Krankseins ist bisher meiner noch nicht Herr geworden, trotz allem, und natürliche Depressionen abgerechnet, und wird es hoffentlich auch nie werden [...]. Ich möchte den Satz aufstellen: Kein wahrhaft freier Mensch kann krank sein. Und was mich betrifft, so mögen's meine Werke von der ersten bis zur letzten Zeile bezeugen.
So hoffnungslos war sein Zustand 1914, daß das Sanatorium im südtirolischen Arco Morgensterns Aufnahme verweigerte. In Meran-Untermais fand sich schließlich eine Privatwohnung, wo der Todkranke bleiben konnte.
Christian Morgenstern starb am 31. März 1914. Seine Urne wird im Goetheanum in Dornach aufbewahrt.







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