Die Geschichte der Eiger-Nordwand
Deutsche Buchgemeinschaft 1961, Leinen, 234 Seiten.
mit 4 Farbbildern, 53, Abbildungen und 2 Karten.
Buchinhalt :
Inhaltlich ist Harrers Werk in zwei Teile, die wiederum zwölf bzw. zehn Kapitel umfassen, unterteilt.
Der erste Teil des Buches beginnt zunächst mit einer Art Vorwort, in dem Heinrich Harrer den Sinn des vorliegenden Buches sowie die Vorgehensweise bei seiner Arbeit kurz darstellt. Außerdem dankt er allen, die zur Entstehung des Buches beigetragen und ihn in jeglicher Form unterstützt haben.
Harrer beginnt seinen chronologischen Bericht mit der Erstbesteigung des Eiger über den Normalweg im Jahre 1858, beschreibt dann kurz die erfolgreichen Besteigungen des Eiger von allen anderen Seiten und schwenkt dann hinüber auf das Jahr 1935, in dem der erste Versuch unternommen wird, auch die 1800 m hohe Nordwand zu durchsteigen.
In den folgenden Kapiteln beschreibt Harrer weitere Nordwand-Begehungsversuche, die mitunter tödlich für manche Bergsteiger enden, bis im Sommer 1938 einer Viererseilschaft, der auch Harrer angehört, erstmals die komplette Durchsteigung der Nordwand bis zum Gipfel gelingt.
Die nächsten Kapitel beschäftigen sich mit den erfolgreichen Begehungen, aber auch mit den Begehungsversuchen der folgenden Jahre. Dabei beschreibt Harrer ausführlich die Schwierigkeiten, mit denen sich die meisten Bergsteiger in der Nordwand auseinandersetzen müssen. Er berichet von Wetterstürzen, Lawinen, Steinschlag, Gewitter, Kälte und Verletzungen, die beinahe allen Nordwandbegehern zu schaffen machen und die für einige von ihnen den Tod bringen.
Neben freundschaftlichem Miteinander verschiedener Seilschaften in der Nordwand verdeutlicht Harrer in seinem Buch auch den mitunter harten Konkurrenzkampf der Nationen am Eiger. Weiterhin beschreibt er ausführlich das wachsende Interesse der Medien für die Eiger-Nordwand-Begehungen, das vor allem nach Tragödien, die berühmten Bergsteigern den Tod in der Wand bringen, und Rettungsversuchen, die mitunter scheitern, besonders hoch ist.
Harrers gesamte Eiger-Nordwand-Chronologie stützt sich auf über 2000 verschiedene Quellen, unter denen sich sowohl journalisitische Artikel als auch Briefe und Berichte von Begehern der Nordwand sowie persönliche Erinnerungen befinden. Dabei auftretende Ungereimtheiten und Widersprüche in Beschreibungen bestimmter Ereignisse deckt Harrer auf und versucht die Sachverhalte aufzuklären, was ihm aufgrund fehlender Informationen nicht immer gelingt. Dennoch stellt Harrer die Ereignisse am Eiger oftmals aus verschiedenen Blickwinkeln dar und bietet damit dem Leser ein umfangreiches Bild.
Nach der Beschreibung der dreizehnten erfolgreichen Durchsteigung der Eiger-Nordwand im Jahre 1958 endet der erste Teil und gleichzeitig auch die erste Auflage von Harrers Buch. Erst sechs Jahre nach der Erstauflage führt Harrer die Geschichte der Eiger-Nordwand in einem zweiten Teil des Buches fort.
Neben weiteren Nordwandbegehungen im Sommer beschreibt Harrer im zweiten Teil auch die erste erfolgreiche Winterdurchsteigung der Wand im Jahre 1961. Es folgen Beschreibungen dreier tödlich endender Versuche von Alleingängern sowie schließlich der ersten erfolgreichen Alleinbegehung im Jahr 1963. Weiterhin berichtet Harrer von Versuchen der Direttissima, also der Durchsteigung der Nordwand auf der direkten Route zum Gipfel.
Abschließend gibt Harrer noch einmal deutliche Hinweise zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine Begehung der Eiger-Nordwand und warnt zugleich alle Extrembergsteiger vor der großen Herausforderung, die die Eiger-Nordwand auch für die besten Bergsteiger und Kletterer darstellt.
Der Vollständigkeit halber gibt Heinrich Harrer im letzten Kapitel des Buches noch eine ausführliche Routenbeschreibung für die Eiger-Nordwand mit Angaben von Schwierigkeitsgraden, Neigungen sowie Schlüsselstellen an.
Illustriert wird Harrers Chronik durch 4 Farb - sowie 53 Schwarz-Weiß-Fotos sowie eine Zeichnung der Eiger-Nordwand, in der die wichtigsten Bezeichungen eingetragen sind.
Schreibstil :
Heinrich Harrer siezt seine Leser und hat einen klaren, einfachen, nüchternen Schreibstil. Er stellt hin und wieder rhethorische Fragen, verwendet aber auch häufig elliptische Sätze. Seine Eiger-Nordwand-Geschichte ist so geschrieben, dass sie auch den Laien fesselt, aber ohne unnötige Dramatisierung, ohne billige, am Schreibtisch erfundene Sensationen.
Sein Erzählstil ist außerdem von Ausblicken und Ankündigungen der folgenden Ereignisse geprägt, die dem Leser immer eine Vorahnung und somit eine Ermunterung zum weiteren Lesen bieten.
Besonders hervorhebenswert sind auch Harrers kluge Sätze wie ¡Man kann Berge weder bezwingen noch erobern, nur besteigen.¡ oder ¡Kein Berg ist das Leben wert.¡ Während er die Ereignisse am Eiger und kleine Anekdoten schildert, findet man immer wieder solche Aphorismen, die zum Nachdenken anregen.
In Harrers Buch ist zu lesen: ¡Dieses Buch will der Wahrheit dienen. Es will nicht urteilen oder verurteilen, es will gewissenhaft berichten.¡ Heinrich Harrer hat diesen Anspruch vollkommen erfüllt und ein Buch vorgelegt, dass zum Klassiker geworden ist. ¡Die Weiße Spinne¡ berichtet objektiv und aus vielen verschiedenen Blickwinkeln von allen wesentlichen Ereignissen in der Eiger-Nordwand im Zeitraum von 1935 bis 1964. Harrer hat in seine chronologische Schilderung viele Auszüge aus Zeitungsartikeln, Briefen, Äußerungen von Beobachtern der Nordwand eingebaut - sogar den Bericht eines englischsprachigen Journalisten hat Harrer in Originalsprache eingearbeitet, was zur Authentizität des Buches beiträgt.
¡Die Weiße Spinne¡ ist ein spannendes, fesselndes, äußerst interessantes Buch, das nicht nur von der dramatischen Geschichte der Eiger-Nordwand erzählt, sondern auch von ihrer Schönheit. Harrers Werk ist ¡ein glänzender Beitrag zur Geschichte des Alpinismus¡ (Frankfurter Neue Presse) und kann sowohl dem Laien als auch dem Extrembergsteiger und -kletterer und erst recht denjenigen, die eine Besteigung des Eiger - ganz gleich von welcher Seite - planen, als lohnenswerte Lektüre empfohlen werden!
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