Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Franckh´sche Verlagshandlung 1965, Fetser Einband, 84 Seiten. ( sehr gut erhaltenes Büchereiexemplar )
Haie gelten als die Tiger der Meere. Sie tauchen als grausame Menschenfresser in den Berichten der frühen Seefahrer auf, und auf einer .2700 Jahre alten Vase, die man kürzlich bei Ischia ausgrub, sind Schifibrüchige abgebildet: Einer wird gerade von einem Hai verschlungen! Im Kriege haben viele Menschen ihr Leben durch Haiangriffe verloren, und alljährlich werden in allen Teilen der Erde Badende von Haien angefallen und getötet. Andererseits sieht man bisweilen auf UW-Aufnahmen erfahrene Taucher, wie etwa HANS HASS, inmitten dieser gefräßigen Raubfische filmen. Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? In welcher Situation greift ein Hai an, und wie vermeidet man Angriffe bei einer zufälligen Begegnung?
Diese Frage stellte ich mir auch, als ich 1953 vor Sao Miguel zum ersten Mal Haie in Aktion sah. Wir waren damals mit Walfängern unterwegs, und die hatten gerade nach mehrstündigem Kampf einen 16 Meter langen Pottwal erlegt. Ausgestreckt trieb der tote Riese an der Oberfläche; sein Blut hatte das Meer weithin gerötet. Und da waren auch schon die ersten Weißspitzen-Hochseehaie da. Wie ein Pack Wölfe stürzten sie sich auf den Kadaver und bissen kindskopfgroße Stücke aus ihm. Da sie unmittelbar unter der Wasseroberfläche schwammen, schnitten die Rückenflossen die Wellen, und man konnte den unruhigen Kurs der aufs höchste erregten Haie vom Boot aus deutlich verfolgen. Ich konnte mir bei diesem Anblick schwer vorstellen, wie man sich als Schwimmtaucher dieser Tiere erwehren sollte.
Wenige Wochen nach diesem Erlebnis begegnete ich zum ersten Mal einem Hai unter Wasser. Ich saß neben meinem Freunde HANS HASS in einem Korallenriff der Karibischen See und bestaunte die bunten Fische um mich, als sich aus dem tiefen Blau vor uns ein Hai löste. Er kam zügig, aber nicht besonders schnell, auf uns zu, und ich hielt wohl unwillkürlich den Atem an. Aber das vielleicht 2,5 m lange Tier schwamm an uns vorbei. Mit seinen beweglichen Augen betrachtete es uns aufmerksam. Seither sind uns viele Haie begegnet - manche waren angriffslustig, viele bloß neugierig. Und im Laufe der Zeit wurde uns ihr Verhalten so vertraut, daß wir sie sogar unter Wasser fütterten, um gleichzeitig die Wirksamkeit chemischer Haiabwehr zu erproben.
Wir wollen hier unsere Erfahrungen mit denen anderer Schwimmtaucher und Fischkundler vergleichen und zugleich einen Überblick über die wichtigsten Haiarten und deren Biologie geben.
Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt
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