Maro Verlag 1985, Paperback, 232 Seiten.
VorwortÜberleben ist alles / Man weiß nie / Wozu es nochmal gut ist / 15 Jahre MaroVerlag
Eines sei gleich mal vorweggenommen: Die 15 Jahre alte Frage ¡Was bedeutet eigentlich MARO?¡. Zum 324. Mal: Nichts da mit Maroni, Tupa-Maros. Maro ist schlicht und einfach die Abkürzung für Maria und Roswitha. Diese beiden Mädchen waren zur Zeit der Namensgebung die Freundinnen von Franz Bermeitinger, dem Verlags-Mitbegründer (auch wenn er seit der Gründung das Verlagsgeschehen nur von außen betrachtet).
15 Jahre Verlagsgeschichte lassen sich natürlich nicht trennen vom Leben des Verlegers, aber auch nicht erzählen auf zwei Buchseiten. Da auch zwanzig nicht ausreichen würden, seien hier einmal die weniger bekannten Highlights erzählt: Zum Beispiel von der Frankfurter Buchmesse 1968, auf der die beiden Autoren Franz Bermeitinger und Benno Käsmayr beim abendlichen Äppelwoi in der Schwarzen Katz zum erstenmal laut über einen eigenen Verlag nachdachten. Da ist die Geschichte vom ersten größeren Buchprojekt, das mangels Bargeld mit SpiritusUmdruck-Matrizen realisiert werden mußte. Das mühsame Halbieren von Matrizen, weil die Schreibmaschine zu klein fürs Querformat war, die eklatanten Textkürzungen, die der Verleger am Manuskript des Autors vornahm, wenn draußen bereits der Morgen graute. Es hat wohl dem Buch keinen Abbruch getan, denn die erste Auflage von 80 Stück war in einem Monat verkauft und für die Neuauflage ging das Spiel von vorne an.
Oder der große Verlag aus München, dessen Verantwortliche heute noch nicht ahnen, daß ein Mitarbeiter in der Werbeabteilung mir ca. 200 kg Werkdruckpapier schenkte: Papier, übrig vom Druck eines Bestsellers, auf das die erste zaghafte Auflage von Bukowskis Gedichtband gedruckt wurde, der dann selbst in der 8. Auflage die 50.000er Marke überschritt.
Oder die Honorarzahlung an den Übersetzer Carl Weissner fürs gleiche Buch: Die vereinbarten DM 500,- wurden zu 2/3 in Büchern abgegolten, no money. Das war auch die Zeit (1974), wo ich alles hinschmeißen wollte, denn von Bukowskis Gedichtband waren 6 Monate nach Erscheinen noch keine 100 Stück verkauft worden, aber alle Ersparnisse aufgebraucht. Erst Salzingers Rezension in SOUNDS brachte dies Buch (und damit den Verlag) ins Rollen.
Da ist auch ein Mann, der zu derselben Zeit mit dem Verlag in Berührung kam, eine Art graue Eminenz des Verlages wurde: Armin Abmeier, damals in der Werbung des Fischer-Taschenbuch-Verlages und absolut größter Einzelbesteller von Bukowski-Büchern in der ganzen Verlagsgeschichte, später dann unser Vertreter im Süden und Ratgeber in jeder Richtung. Dieses Buch ist nicht zuletzt seine Idee, auch was die Auswahl und Ausführung angeht.
Oder die Übersetzer und Herausgeber Carl Weissner, Rainer Wehlen und Sylvia Pogorzalek, die nicht nur blendend übersetzt haben, sondern auch sehr sensible Autorenkontakte hergestellt und aufrechterhalten haben.
Da ist Rotraut Susanne Berner, der wir nicht nur ein knappes Dutzend phantastische Umschläge verdanken, sondern auch sonst unheimlich viele pfiffige Ideen und den Lustgewinn, den nur kreative Zusammenarbeit mit sich bringt.
Der Container verändert die Landschaft heißt diese Sammlung von Texten aus dem MaroVerlag. Nicht nur die erfolgreichen Autoren haben die deutsche Literaturlandschaft beeinflußt (der Name Bukowski ziert so manchen Klappentext anderer Verlage), auch Autoren, die mit ihren Büchern bei Maro nicht erfolgreich waren, sind heute nicht mehr zu übersehen (Jörg Fauser, Fitzgerald Kusz, Werner Waldhoff, Uli Becker, Jürgen Theobaldy).
Vor 15 Jahren habe ich einen Beitrag für Günter Emig's Buch über die Alternativpresse mit dem Satz beendet: ¡Wies weitergeht, weiß niemand genau...¡ Heute sieht das ganz anders aus: ¡Ich wette, die nächsten 15 Jahre werden mindestens genauso lustig und abwechslungsreich wie die vergangenen.¡
Benno Käsmayr
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