Nishen Verlag 1985, Broschiert, 31 Seiten.
Aus der reihe : Erzähltes Leben, Band II
Streitbare Jugend in Berlin um 1930
Zu diesem Heft
Hans Benenowski ist am 25. Januar 1983 gestorben. Am 8. Januar hatte er noch seinen 72. Geburtstag gefeiert. Nach seinem Tod erzählte uns seine Lebensgefährtin Käte Kaiser, es sei sein größter Wunsch gewesen, daß jemand für ihn seine Lebensgeschichte aufschreibt. Gerade dies hatten wir vor. Wir wollten ihn damit nach seinem Krankenhausaufenthalt - er hatte im Dezember 1982 einen Schlaganfall erlitten
- überraschen. Anfang Januar wurde er aus dem Krankenhaus entlassen, und er brauchte noch Ruhe.
Unserem Text liegen Gespräche mit Hans Benenowski zugrunde, die Christiane Saleski, Susanne Eberding und Helimut Lessing von Juni bis August 1982 führten. Danach gab es einige Besuche, und Käte Kaiser hat das endgültige Manuskript nochmals überprüft.
Hans Benenowski hatte fast sein ganzes Leben in Berlin-Moabit in derselben Straße, der Beusselstraße, gewohnt. Seine kleine Wohnung, in der er zuletzt gelebt hatte, bewohnte er allein. Er hatte sie mit den Bildern und Keramiken ausstaffiert, die er als Hobbymaler herstellte. Mit Stolz zeigte er Zeitungsausschnitte über seine Ausstellung in Bayreuth. Hans Benenowski lebte unten; auch seine Wohnung war unten, Hinterhaus, Erdgeschoß. ¡Erzähltes Leben¡ war für ihn gleich einer Geschichte von unten.
Hans Benenowski lebte auch im Alter offensiv. Zum Beispiel hatte er im Herbst 1982 zur Begrüßung von westdeutschen Friedensfreunden aufmunternde Worte in sein Fenster gehängt, so, daß alle Leute im Haus es sehen konnten. Auch aus seiner SEW-Mitgliedschaft machte er kein Hehl; er mochte sich aber darüber nicht so wahnsinnig viel streiten, wenn er grün-alternative und andere friedenliebende Zuhörerinnen und Zuhörer fand.
Streit suchte er anderswo. Er mischte sich ein, wenn bei Tschibo jemand was kinder- oder ausländerfeindliches sagte, wenn er am Rand einer Demonstration stand und sich über die Ansichten der Umstehenden ärgerte. Hans Benenowski führte ein streitbares Leben. Vielleicht konnte er deshalb so außerordentlich gut erzählen.
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