Lizenzausgabe des Bertelsmann Verlages, Gebunden im Schuber, 110 Seiten, mit Bildern von Georg Mayer-Marten.
Schauspiel von Klabund
Am 4. November 1890 wurde Adolf Hentschke in Crossen a.d. Oder geboren. Aus den Worten Klabautermann und Vagabund setzte er sich sein Pseudonym ¡Klabund¡ zusammen. Der Name bedeutet ¡Wandlung¡. Sein unruhiger Geist, der sinnbildlich für die innere Erregung und Ratlosigkeit seiner Zeit war und wohl schon den Druck einer nahenden Katastrophe ahnte, trieb ihn durch die meisten Städte Deutschlands, der Schweiz und Österreichs. Schon 1928 starb er lungenkrank in Davos.
¡Der Kreidekreis¡ ist das dramatische Werk, das ihm seinerzeit den größten Ruhm einbrachte. Bei diesem Stück aus dem Chinesischen handelt es sich um eine Neudichtung. Es kann ohne weiteres als Originalwerk Klabunds angesehen werden, da ¡Dramen der klassischen Weltliteratur als Originalschöpfungen gelten, wenn die verarbeiteten älteren Quellen durch das Genie des jeweiligen Nachdichters über das Vorbild hinaus wesentlich vertieft wurden¡. Klabund bereichert das Märchen des Chinesen Li-Hing-Tao sowohl lyrisch wie dramatisch.
¡Der Kreidekreis¡ ist das hohe Lied der Mutterliebe. Da ist die schöne Tschang-Haitang, die von ihrer Familie, die in Not geraten ist, in das Freudenhaus des Herrn Tong verkauft wird. Dort lernt Haitang den Prinzen Pao kennen und lieben. Aber der reiche Mandarin Ma kann Haitang mit einem hohen Kaufangebot für sich erwerben. Sie muss die Liebe ihres Gatten mit seiner Hauptfrau Yü-pei teilen. Als Haitang einem Knaben das Leben schenkt, wird sie zur Hauptfrau aufgewertet. Aus Eifersucht vergiftet Yü-pei ihren Mann. Das Kind Haitangs bezeichnet Yü-pei als das ihre. So kommt es zu einem Gerichtsverfahren. Der Richter hat einen genialen Einfall. Das Kind wird in einen Kreidekreis auf den Boden gelegt. Beide Frauen sollen gleichzeitig versuchen, das Kind aus dem Kreis zu sich zu ziehen; die rechte Mutter werde dazu die Kraft und das Geschick haben. Aber Haitang fürchtet, den Kleinen zu verletzen und überlässt der Rivalin das Kind. Der Richter durchschaut Yü-peis böse Tat und Haitang erhält ihr Kind zurück. Am Schluss wird sie die Gattin des Kaisers Pao, der den Knaben als den seinen anerkennt.
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